Frau Grafs Giräffchen

Irgendwie hätte ich das folgende gerne wirklich erlebt. Das war aber meiner Fantasie vorbehalten, die mich zu meiner allergrößten Freude einmal mehr nicht im Stich ließ, als Christiane mit den Wörtern Giraffe, mondsüchtig und suchen wieder zum Schreiben einlud.

Als ich noch bei Frau Graf in Untermiete wohnte, bestand meine Miete nicht in der Zahlung eines bestimmten Geldbetrages, sondern in einer Dienstleistung. Ich hatte ihre Giraffe, damals noch ein kleines Giräffchen, einmal am Tage Gassi zu führen.

Giraffen pflegen ihren Kopf ziemlich weit oben zu tragen. Zusammen mit der merkwürdigen Tatsache, dass ihre Zunge blau ist (könnt ihr beim nächsten Tierparkbesuch gerne überprüfen, falls ihr mir nicht glaubt), gelten sie deshalb als blasiert und eingebildet.

Aber Frau Grafs Giraffe war nicht so. Im Gegenteil: Lieb war sie. Sie hatte einfach nur eine leicht mondsüchtige Art an sich, was aber einfach daher rührte, dass ihre ins Vertikale neigende Statur nicht die Bodenhaftung ausstrahlte, wie man sie vom Regenwurm kennt. Ich flanierte gerne mit ihr durch den Englischen Garten in München, vorbei am Monopteros, am Chinesischen Turm und an den Tretbooten nebst Enten im Kleinhesseloher See.

Aber das Giräffchen wuchs, und ihr Hals wurde länger und länger. Das ging soweit, dass, wenn die Wolken niedrig am Himmel standen, von ihrem Kopf kaum mehr etwas zu sehen war. Als ich Frau Graf darauf ansprach, meinte sie, sie suche schon länger nach einer neuen Unterkunft, in der für ihr langhalsiges Haustier genug Luft nach oben wäre.

So wohnen wir drei jetzt in einem Hochhaus, und ich gehe weiterhin täglich mit einer ausgewachsenen Giraffe im Englischen Garten Gassi, die freilich für mich immer Frau Grafs Giräffchen bleiben wird.

Der Palast

„Backe, Backe Kuchen“ schallt es in den hohen Räumen des Palastes. Ich schaue mich irritiert um. Wo bin ich hier? Was ist passiert? Neugierig folge ich dem fröhlichen Gesang. Akribisch – so scheint es mir – wurden die Säle geschmückt. Nichts wurde dem Zufall überlassen. Trotzdem wirkt es gespenstisch. Ein nicht enden wollender Gang offenbart keine weiteren Lebewesen.

Weiterlesen „Der Palast“

Erst kommt die Idee

Wenn Christiane zum Schreiben einlädt, tut sie das, indem sie einem drei Wörter unterbreitet. Dieses mal sind es die Wörter „Erzählstoff“, „sanft“ und „vibrieren“. Da japst man erst einmal geistig nach Luft und ringt wonach? Richtig, nach einer Idee.

Weiterlesen „Erst kommt die Idee“