Haben wir die Stille verlernt?

Wo auch immer ich hinsehe, erblicke ich  Menschen mit Kopfhörern. Egal ob in der U-Bahn, auf den Straßen oder sogar in den Geschäften. Jeder scheint solche Dinger zu haben oder zumindest die „Stöpsel“.

Sie nehmen die Umwelt gar nicht mehr wahr, sehen keinen Mehrwert darin, ohne diese Beschallung unterwegs zu sein. Da es ablenkt und einige Geräusche ausgeblendet werden, kann es sogar gefährlich werden im Straßenverkehr. Die Autos werden immer leiser. E-Autos müssen teils nachgerüstet werden, weil man sie ohne Kopfhörer nicht hört. Eine große Lautstärke haben sie dadurch nicht bekommen. Sie sind immer noch so leise, dass man mit Musik im Ohr sie überhören kann. Das ist die eine Seite.

Andererseits wird die Stille dadurch nicht mehr gehört. Ich sage extra „gehört“, da es nie wirklich still ist. In der Natur gibt es immer Geräusche. Da müsste man sich komplett abschotten. Diese normale „Stille“ aber haben viele verlernt. Sie können es nicht ertragen, es wird ihnen langweilig.

4 Kommentare zu „Haben wir die Stille verlernt?“

  1. Hallo Monika, einerseits pflichte ich dir bei. Andererseits gibt es aber auch eine Berechtigung für die Kopfhörer: Meine jüngste Tochter hat fast immer welche auf. Oder zumindest griffbereit um den Hals hängen. Aber sie hört nicht automatisch immer Musik, wenn sie die trägt.
    Sie ist Asperger-Autistin und braucht diesen Rückzug von der Welt, wenn ihr der Alltag um sie herum zu trubelig und unübersichtlich wird.
    Ich sehe als Mutter zwar auch die Gefahr, nicht alles mitzubekommen im Straßenverkehr, aber ich sehe auch die dringende Notwendigkeit, einen Zusammenbruch zu verhindern, weil sie mit all den Umweltgeräuschen (die ja auch immer und überall auf sie einprasseln) nicht mehr klarkommt.
    Da gilt es dann abzuwägen. Und an ihrer Schule gibt es viele Kinder und Jugendliche, die wegen psychischer Belastungen aus Pandemiezeiten diese Rückzugsmöglichkeit auch benötigen.

    Und im Gegensatz dazu ist auch Stille für belastete Menschen oft nur schwer erträglich. Ich glaube, das kann man sich nur schlecht vorstellen, wenn man selbst öfter mal das Bedürfnis nach mehr Stille hat, ich übrigens auch. Aber ich sage mir immer wieder, dass ich den Leuten nicht an der Nasenspitze ansehen kann, warum sie sich auf eine bestimmte Weise verhalten.
    Mein persönlicher Trigger waren (und sind teilweise immer noch) Mütter, die ihre Kleinkinder mit dem Smartphone beschäftigen. Das ertrage ich nur schwer.
    Aber wenn ich eine solche Frau nur kurz sehe, woher weiß ich dann, ob sie so etwas grundsätzlich ständig tut oder ob sie gerade einen triftigen Grund hat, einen Augenblick das Kind abzulenken. Weil es zum Beispiel zahnt und deswegen drei Nächte durchgeweint hat und sie selbst einfach keine Kraft mehr hat?
    Ich habe festgestellt, dass es mir persönlich gut tut, solche Gedanken im Hinterkopf zu haben, seither gehe ich gelassener mit solchen Situationen um.
    Liebe Grüße, Anja

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    1. Liebe Anja,
      Vielen herzlichen Dank für den ausführlichen Kommentar und deinen Blickwinkel.
      Es macht natürlich unter bestimmten Umständen Sinn.
      Es war für mich eher eine Momentaufnahme und Beobachtung, dass durch solche Begebenheiten auch schon fast Unfälle passiert wären. Das hat mich zum Nachdenken gebracht.

      Liebe Grüße Monika

      Gefällt 1 Person

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