Die unbesinnliche Adventszeit

In der Adventszeit ergeben sich von Zeit zu Zeit sehr interessante Beobachtungen.

Angepeitscht von der Werbung, den Erwartungen der Angehörigen und dem medialen Druck wühlen sich Massen an Menschen durch die Kaufhäuser und die Innenstadt. Sie schieben sich gegenseitig, während Mütter ihre kleinen, quengelden Kinder beruhigen wollen. Nebenbei rieseln noch Weihnachtslieder über die Lautsprecher oder von den Straßenmusikanten auf die laute Menschenmasse hinab. Verkäufer hasten von einem Kunden zum anderen, um die Ungeduld nicht zu groß werden zu lassen. Die liebevollen Dekorationen, die in langer Arbeit zusammengestellt wurden, werden kaum noch beachtet.

Vielmehr geht es darum, vielleicht noch das letzte Exemplar eines bestimmten Spielzeugs zu ergattern, damit es an Heilig Abend zu ja keiner Katastrophe kommt. Wo sind nur all die Leute geblieben, die sich vorgenommen haben, dieses Jahr früher einzukaufen, um einen besinnlichen Advent zu haben? Es scheint fast so, als ob jeder im Advent zur gleichen Zeit einkaufen wollte, obwohl Weihnachten überraschenderweise auf den 24. Dezember fällt.

Mit jeder angekommen S- oder U-Bahn werden weitere Massen ausgespuckt. Der Versuch allerdings sich zu verteilen, scheitert grandios. Es sind einfach zu viele Menschen unterwegs. Die Buden des Christkindlmarkts tragen zudem weiter zur Enge auf den Straßen bei und lenken die Besucherströme in bestimmte Bahnen. Der Geruch von Schweiß und Parfüm wird mit den Düften von Glühwein, Waffeln und anderen Leckereien vermischt. Neben den überstrapazierten Nerven werden also auch noch alle Sinne beansprucht. Sie können all dies nicht mehr gleichzeitig verarbeiten. Wetten, dass ich abends wegen dieser Überreizung Kopfweh bekommen werde. Wo bleibt da noch die besinnliche, staade Zeit? Anstelle dass die Zeit still steht, wird alles verdoppelt, verdreifacht. Der Konsum hat hier längst die Oberhand gewonnen. Die Werbung tut auch ihr Bestes, um die Kauflaune voranzutreiben.

Neben dieser Hektik in der Innenstadt kommen auch noch die Unanehmlichkeiten in der Bahn zum Tragen. Die ersten kalten Tage erwischt die Bahn im Winter immer unvorbereitet. Darauf kann sie sich ja nicht vorbereiten! Die Folge davon sind zahlreiche Zugausfälle wegen vereistem Stellwerk oder aber auch liegen gebliebenen Bahnen. Verspätungen sind an der Tagesordnung. Zu allem Verdruss kommt auch noch die hervorragende Informationspolitik der Bahn. Mit Glück hört man Durchsagen. Hören heißt aber noch lange nicht, dass sie verständlich wären. Knackgeräusche, zu leises Reden: All das ist üblich. Überflüssige Durchsagen allerdings hört man klar und deutlich. Ich erinnere mich an eine Durchsage eines S-Bahn-Fahrers, als er singt: „Katzeklo, Katzeklo, ja das macht die Katze froh“. Als ob das nicht genug wäre, fährt nur ein Vollzug ein. Die Versprechen der Bahn, stattdessen mehr Langzüge mit drei Zugteilen einzusetzen, waren wohl auch nur Utopie.

6 Kommentare zu „Die unbesinnliche Adventszeit“

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