4. Advent

Gott: Teil der menschlichen DNA
Dieses Bild, das meine Adventsreihe begleitet, zeigt den Innenraum der Kapelle Zur Heiligen Familie in Holzkirchen. Die künstlerische Idee dahinter erläutere ich weiter unten. (Foto: Bernhard Huber)

Der Advent beantwortet die Frage, ob ein Geistwesen wie der Bei-mir-ist-kein-Ding-unmöglich-Gott der Bibel, biologische und physikalische Gesetzmäßigkeiten in seinem Sinne nutzen kann, mit Ja. Gott wird buchstäblich Teil der menschlichen DNA. Das übersteigt letztlich jedes Vorstellungs- und Begriffsvermögen und kann nur glaubend akzeptiert werden – oder nicht. Der kühne Sprung aufs Unendliche, also der Glaube, findet in den „Niederungen“ des Menschlichen statt (vgl. Josef Ratzinger, Einführung in das Christentum). Ernst Bloch stellt dazu fest: „Zu einem Kind, das im Stall geboren, wird gebetet. Näher, niedriger, heimlicher kann kein Blick in die Höhe umgebrochen werden. Zugleich ist der Stall wahr, eine so geringe Herkunft des Stifters wird nicht erfunden. Sage macht keine Elendsmalerei und sicher keine, die sich durch ein ganzes Leben fortsetzt. Der Stall, der Zimmermannssohn, der Schwärmer unter kleinen Leuten, der Galgen am Ende, das ist aus geschichtlichem Stoff, nicht aus dem goldenen, den die Sage liebt.“ (Das Prinzip Hoffnung)

Der allmächtige Gott hier und die Krippe da: Das Geschehen in Bethlehem ist auch eine Absage an einen philosophischen Gottesbegriff. Es ist ein Geschehen voller Aberwitz und Fragezeichen, vor dem der menschliche Verstand einknickt, vor dem aber das menschliche Herz im Glauben eine Kniebeuge machen kann, auch in der deshalb keineswegs irrationalen Glaubensgewissheit, dass Gott in einer Krippe das Licht der Welt erblickt hat – ein Licht, das sein Licht überstrahlt.

Es heißt immer wieder, Advent sei eine Zeit der Erwartung. Ich würde sagen, es geht weniger um Erwartung als ums Bereitsein der Herzen für Gott, der jedes Wort wirkt, das er sagt, und damit sinnstiftend definiert. Unser Herz ist die Bleibe, die Gott sucht und diese göttliche Sehnsucht nach uns korrespondiert mit unserer Hoffnung, die wir in ihn setzen können. Diese Hoffnung mag in unserer Welt wie eine zarte Pflanze sein, aber wenn sie sich in einer glaubenden Seele zu behaupten weiß, ist sie die wirksamste Trotzreaktion gegen den Widersinn des von Menschen betriebenen Verfalls der Welt.

Zum Schluss, wie versprochen, noch eine erläuternde Anmerkung zu dem Bild, das meine Reihe zum Advent begleitet hat. Es zeigt den Innenraum der Kapelle Heilige Familie in Holzkirchen, südlich von München. Ich habe in dem Kunstwerk zunächst eine das Denken provozierende Kreuzesdarstellung gesehen, was es unterschwellig vielleicht auch sein mag. Aber die Absicht des Künstlers ist, wie ich nachgelesen habe, eine andere. Er hat aus überlieferten konkret-bildhaften Darstellungen der heiligen Familie den abstrakten Kern der Farben und Formen freigelegt und das gesamte Motiv am Ende neu gestaltet, indem er drei verschiedenfarbige Glasschichten im Abstand von etwa 20 cm hintereinander angeordnet hat. Dabei steht die vordere (gelbe) Schicht für Jesus, die mittlere (blaue) Schicht für Maria und die hintere (rotbraune) für Josef. Nebenbei fügt sich das Werk wie harmonisch in die Gestaltung des Raumes, der wie eine natürliche Lichtinstallation wirkt.

Teil 1 der Adventsreihe auf allerleigedanken.net: hier

Teil 2 der Adventsreihe auf allerleigedanken.net: hier

Teil 3 der Adventsreihe auf allerleigedanken.net: hier

Autor: Emsemsem

Ob gereimt oder nicht: Ich mach's und mag's kurz auf Emsemsem.net, wo es vorwiegend Aphorismen und Gedichte gibt. Ein paar Kleinigkeiten gibt es auch auf youtube.de/@emsemsem.

2 Kommentare zu „4. Advent“

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