Friedericke Manner: Die dunklen Jahre

Friedericke Manners Roman „Die dunklen Jahre“ ist nicht nur ein autobiografischer Roman. Er beinhaltet neben ihrer eigenen Exilgeschichte auch grundlegende psychologische, philosophische und religiöse Fragen in der extremen Ausnahmesituation des zweiten Weltkriegs.

Klara, die Hauptperson des Romans stand kurz davor sich scheiden zu lassen, als die deutsche Naziherrschaft Österreich übernahm. Um ihren jüdischen Mann und ihre Kinder zu schützen, lässt sich die Christin schließlich nicht scheiden. Dennoch ist der Antisemitismus nicht aufzuhalten. Mit all ihrem Einfluss erhält Klara zunächst einen Pass für ihren Ehemann. Dieser flieht nach Budapest. Doch auch für Klara und die Kinder wird die Situation immer delikater. Die Schlinge zieht sich für Mischlinge immer mehr zu. Klara selbst wird gedrängt, sich scheiden zu lassen. Zunächst sendet sie ihre Kinder in die Schweiz und kommt bald darauf nach. Auch hier können sie nicht lange bleiben. Sie fliehen weiter und kommen in Budapest an. Auch wenn hier ihr Mann ist, können sie doch nicht zusammen wohnen. Viele Widrigkeiten kommen auf sie zu. Das einzige und über alles stehende Ziel ist: Die Kinder sollen überleben. Hunger, Frost, Krieg, Luftangriffe sowie die Ermordung ihres jüdischen Ehemanns begleiten die kleine Familie. Zuletzt müssen sie wieder nach Österreich zurückkehren, bevor der Krieg zu Ende ist. Hier haben sie zwar mehr zu essen, aber der Kampf gegen die ideologische Welt der Nazis geht weiter. Von Anfang an weiß Klara, dass Deutschland den Krieg nicht gewinnen kann. Die Widrigkeiten während ihres Exils stellen sie vor grundsätzliche moralische Fragen. In all diesen Fragen sucht sie letztlich ihren Weg nach Gott. Wo versteckt sich Gott hinter all diesen Grausamkeiten? Der Roman endet mit einem Brief von der Silvesternacht im Jahr 1945. In diesem Brief an Christian, einem Wegbegleiter Klaras heißt es am Ende: „Christian, glauben Sie, dass Gott mir verzeiht?“ Trotz all dem, was sie erlitten hat, trotz all ihren Widerständen sieht sie auch bei sich Schuld, nämlich die der Versäumnisse, all dies zuzulassen.

Friedericke Manner selbst hat nach dem Krieg Schwierigkeiten, Fuß zu fassen. Wenn sie die Wiedereingliederung von Nationalsozialisten kritisiert, wird sie selbst angegriffen. Selbst die Veröffentlichung dieses Romans hat sie vor Herausforderungen gestellt.

Es ist ein Buch, das verdient bekannter zu werden. Auch sollte er nicht nur als Roman angesehen werden, sondern als ein Zeugnis von einer finsteren Zeit und wie sich dort Moralvorstellungen verschoben haben.

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