Besser leben ohne Kinder?

In der ARD-Dokumentation „Besser leben ohne Kinder?“ werden Menschen nach ihren Beweggründen gefragt, warum sie sich bewusst gegen Kinder entschieden haben.

Die bewusste Entscheidung gegen Kinder wird von manchen getroffen, um das Klima zu retten. Die Argumentation dahinter: Jeder Mensch verbraucht Ressourcen und schadet dem Klima. Daher ist für den Klimaschutz nicht nur die Größe des ökologischen Fußabdruckes entscheidend, sondern auch die Anzahl der Kinder, denn je mehr Leute es gibt, desto mehr Müll wird produziert. 

Dennoch denken nicht alle Klimaschützer so weit und so radikal. Viele wollen das Klima schützen, um das Leben wieder lebenswert zu machen, damit Kinder in einer besseren Welt leben können und dürfen. Denn Kinder bedeuten Leben.

Dabei steigt auch in Deutschland die Nachfrage nach Sterilisation bei jungen Menschen (Anfang 20). Die Motive dafür sind sehr unterschiedlich:

Manche hatten selbst eine unerfreuliche Kindheit.

Einige finden keinen eigenen Draht zu Kindern.

Für manche gibt es einen kontextuellen Zusammenhang: Kinder sind die Leidtragenden in einer Welt, in der es Klimakrise, Kriege und vieles weitere Leid gibt.

Bei einigen besteht der Zweifel, dass sie gute Eltern sein können.

Manche möchten lediglich ihre eigene Freiheit bewahren. Kinder würden sie einschränken.

Eine sehr dunkle Weltanschauung vertritt der Antinatalismus: Die Welt ist voller Leid. Alle Eltern haben ihren Kindern das Sterben und ein Leben voller Leid zugemutet. Die Momente des Glückes würden das alles nicht aufwiegen. Selbst Tiere sollten sterilisiert werden. Sie setzen Kinder in eine Welt des täglichen Überlebenskampfes, in eine Welt des Leides. Leider ist es das große Manko der Tierwelt, dass sie nicht denken kann und so ihren Trieben nachgeht. Die ideale Welt der Antinatalisten ist eine Welt ohne Menschen und Tiere. Pflanzen können weiter existieren, da sie keine Empfindungen haben.

Am Ende des Filmes wird exemplarisch auch eine Mutter gezeigt, die es mittlerweile bereut, ein Kind zu haben. Sie zeigt es sogar öffentlich als Künstlerin. Sie ist mit der Elternschaft in manchen Momenten überfordert und hat auch vor, wenn das Kind groß genug ist, mit ihm offen darüber zu reden.

Die Dokumentation gibt Einblicke in die vielfältigen Gründe der Menschen, die sich bewusst gegen Kinder entschieden haben. Manche Meinungen sind provokant und für mich schwer nachvollziehbar. Zum einen sehe ich trotz all der Widrigkeiten im Leben nicht, dass die Welt nur voller Leid ist. Kinder bedeuten für mich Leben, ein Leben, das es sonst nicht geben würde. Ich kann die im Film vorgestellten Meinungen der Interviewten wiedergeben, die Argumentation vielleicht bis zu einem gewissen Punkt mitgehen. Den Schluss zu ziehen, wegen einem dieser Gründe, keine Kinder zu bekommen, kann ich aber nicht nachvollziehen. Denn jedesmal stoße ich an eine Grenze: Bei jeder dieser Theorien fehlt mir die Praxis. Alle diese Theorien und Philosophien (Leid, Klimaschutz,…) sind auf einen Punkt gegründet, der überdimensioniert wird. Es möchte jeder das Leben besser machen. Wenn es aber keine Kinder mehr gibt: Für wen macht man das Leben besser?

16 Kommentare zu „Besser leben ohne Kinder?“

    1. Das kommt dann natürlich auf die Umstände ab, aber selbst da ist eine extreme Vorstellung meiner Meinung nach nicht der richtige Weg. Da gilt es, andere Lösungen zu finden. Für viele ist es gerade in solchen Ländern eine „Versicherung“ für das Alter, wenn sie mehr Kinder haben. Das muss man also ganz individuell betrachten.

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      1. Individuell betrachten ist eine Sache, aber global gesehen ist die Bevölkerungsexplosion eine Katastrophe. Auf einem Planeten, dessen Klima gerade verrückt spielt, dessen Ressourcen bis zum letzten ausgebeutet werden …
        Nimm zum Beispiel Ägypten: 1960 hatte es 29 Millionen Einwohner, heute sind es über 1oo Millionen und das in einem Land, das zum Großteil aus Wüste besteht.

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      1. Nur weil man von etwas nicht spricht und/oder eine andere Bezeichnung verwendet, heißt das nicht, dass das Thema verschwunden ist. Wie kann sie nicht stattfinden, wenn es Länder gibt, wo die Bevölkerung sich verdoppelt, verdreifacht und das Land sie nicht mehr ernähren kann?

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        1. Es ist so, dass die Geburtenrate weltweit schon seit Jahren sinkt, und zwar deutlich. China hat die unmenschliche Ein-Kind-Politik wegen der damit zusammenhängenden massiven Probleme beendet. Nun sind drei Kinder erlaubt oder erwünscht, wer weiß. Auch von Russland hört man von eklatanten demografischen Problemen im Sinne von zu wenigen Geburten. Es gibt ein EU-Land mit steigender Geburtenzahl. Da lässt man sich die Familienpolitik anders als bei uns, wo man traditionell an der Grenze zum Verfassungsbruch herumlaboriert. Das Land heißt: Ungarn. Insofern habe ich schon den Eindruck, dass man nach dem Motto verfährt: Aus den Augen, aus dem Sinn.

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          1. Ja, ja, China hat das Wachstum etwas zu gut reduziert, das Verhältnis von Männern und Frauen stimmt nicht, weil während der ein-Kind-Politik alle nur Söhne haben wollten und in Europa haben wir das gegenteilige Problem. Das extreme Bevölkerungswachstum gibt es auf dem gesamten afrikanischen Kontinent und in den meisten südamerikanischen Ländern.

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  1. Weltweit mag die Geburtenrate sinken, jedoch gilt das nicht für Afrika; dort wird sich die Bevölkerungszahl bis 2050 annähernd verdoppeln. Zeitgleich ist es Afrika, wo das Ausmaß des Hungerns am größten ist. Zudem ist Kinderreichtum immer ein Zeichen für ein Entwicklungsland. Daher würden afrikanische Länder ohne Kinder besser leben – und die Kindersterblichkeit sinken.

    Für mich persönlich gilt: ich habe keine Kinder, weil ich ungern Entscheidungen treffe, die ich nicht mehr rückgängig machen kann.

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    1. Hallo Feli,
      ich bestreite nicht, dass es Unterschiede in einzelnen Ländern gibt, die es zu bewältigen gilt. Ausgangspunkt für diesen Artikel war aber eine Dokumentation von Leuten, die sich gegen Kinder entschieden haben.
      Auch deine Aussage, dass du keine Kinder hast, weil du ungern Entscheidungen triffst, die du nicht mehr rückgängig machen kannst, ist eine Entscheidung. Und zwar gegen Kinder. Auch sie ist nach einer gewissen Zeit nicht mehr rückgängig zu machen. Insofern wird es immer Entscheidungen geben, die nicht mehr rückgängig gemacht werden können.
      Die entscheidenden Diskussionspunkte bei der Dokumentation sind meiner Meinung nach die Begründungen. Beim Antinatalismus zum Beispiel geht es darum, dass das ganze Leben, inklusive der Tiere, Leid ist. Daher sollen im Idealfall nur Pflanzen existieren, da diese keine Gefühlswelt und keinen Sinn für Leid haben. Diesem kann ich nicht zustimmen. Leid existiert, aber es gibt zudem viel Hoffnung und Lebensfreude.
      Ich denke, dass man jede dargestellte Begründung kontrovers diskutieren kann.
      Deine Begründung für deine Entscheidung ist ein weiterer Aspekt mit einer anderen Begründung, die eine weitere größere Diskussion öffnet.
      Liebe Grüße Monika

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