Scheinbar billig, scheinbar schwarz

Christianes spätsommerliche Schreibeinladung führt mich mit den Wörtern Brechreiz, anschmiegsam und buchstabieren in die Gefilde der Verbraucherberatung.

Es gibt Wörter, die unfallfrei weder zu schreiben noch zu lesen und schon gar nicht zu buchstabieren sind. Ich meine nicht Wörter wie „Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitän“, die irgendwie sogar Spaß machen. Und ich meine auch nicht jenes Beruhigungsmittel, das Liesl Karlstadt als Apothekerin in einer berühmten Szene mit Karl Valentin im Habitus anschmiegsamer Selbstverständlichkeit und in nur einem Atemzug empfiehlt: „Isopropilprophenilbarbitursauresphenildimethylaminophirazolon“. Nein, ich rede von Wörtern, deren einziger Zweck darin besteht, das aufzudröseln, was man uns als Lebensmittel andrehen will. Kurzum: Ich rede vom Kleingedruckten auf den zahllosen Verpackungen in den Supermärkten, den ominösen Zutatenlisten.

Jeder kennt Oliven. Es gibt grüne und die länger gereiften schwarzen. Und es gibt, man glaubt es kaum, „geschwärzte“, die eigentlich grün sind. Oft steht das gut sichtbar auf der Verpackung, was nur fair, aber vom Gesetzgeber nicht vorgeschrieben ist. Geschwärzte Oliven dürfen nur nicht als „schwarze“ angepriesen werden. Dabei sind sie in der Tat schwarz wie die Nacht, eine Farbe, die nicht einmal ausgereifte Oliven zustande bringen.

Stößt man im Regal auf auffallend billige „schwarze“ Oliven, sind sie beides nur scheinbar: billig und schwarz. Trotzdem dürfte auch hier der Kaufpreis nicht selten den Kaufreiz anregen. Ich würde gerade deshalb innehalten und mich der wenn auch mühsamen und missvergnüglichen Lektüre der für die Produktion verwendeten legalen Substanzen auf der Rückseite oder sonst einer Stelle der Verpackung widmen. Finde ich dabei die in irgendeinem Chemielabor ersonnene Buchstaben- und Zahlenfolge „Eisen-II-Gluconat“ oder „Eisen-II-Lactat“, weiß ich: Diese schwarzen Oliven sind geschwärzt. Wer im Kampf gegen den Kaufreiz trotzdem nachgibt, wird am Ende möglicherweise gegen einen anderen Reiz kämpfen müssen: den Brechreiz.

Autor: Emsemsem

Ob gereimt oder nicht: Ich mach's und mag's kurz auf Emsemsem.net.

6 Kommentare zu „Scheinbar billig, scheinbar schwarz“

  1. Okay, Brechreiz würde vermutlich wieder mal eher die Tatsache erzeugen, was alles bei der Produktion (ha! ) „hochwertiger Lebensmittel“ (ha!) erlaubt ist. 😒 Es wundert mich nicht, aber gewusst habe ich es auch nicht, wie ich den Farbstoff erkenne. Danke für die Info, danke fürs Mitschreiben! 👍
    Morgenkaffeegrüße 🌄🍂🍃☕🍪👍

    Gefällt 1 Person

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