Mein sinnloser Widerstand

Vielleicht hatten sie eine zu tiefe Stimme, vielleicht hatte ich schlechte Erfahrungen gemacht oder aber ich mochte sie einfach nicht. Eines jedoch war offensichtlich:

Ich schrie sie alle an, ohne Ausnahme.

Sogar mein Vater war nicht davor geschützt. Da ich jedoch nur beim Wickeln oder Trinken schrie, fiel es dort zunächst nicht auf. Er versuchte es immer wieder, bis er eines Tages feststellte, dass es an ihm lag, dass ich schrie. 

Na wunderbar, dachte ich mir. Den wäre ich los. Warum hat das so lange gedauert. Einige Zeit lebte ich zufrieden. Ich beschwerte mich nur, wenn ein Mann mir zu nahe kam. Plötzlich aber spürte ich eine Veränderung. Ich kann nicht erklären, was es war. Es schien aber, dass ich meinen Widerstand zumindest gegenüber meinem Vater aufgeben musste. Warum gegen ihn ankämpfen, wenn er doch nie ging. So ließ ich von heute auf morgen meinen Widerstand gegen ihn fahren.

Ich wuchs und entwickelte mich weiter. Die Männer im Allgemeinen waren mir weiterhin suspekt. Doch je älter ich wurde, desto weniger konnte ich den Widerstand aufrecht erhalten. Ich konnte mich aber noch nicht ganz dazu durchringen. Also beschränkte ich mich auf Männer mit Bärten – egal welcher Art. Ich reduzierte es schrittweise bis ich bei Männern mit Schnurrbärten ankam. Ich schrie nur noch sie an, vermutlich aber auch nur mit halbem Herzen. Letztlich akzeptierte ich auch diese.

Die Männer waren nun mal hier. Sie werden nicht gehen oder verschwinden, egal wie ich dagegen ankämpfte. So fügte ich mich in mein Schicksal und beendete meinen sinnlosen Widerstand.

6 Kommentare zu „Mein sinnloser Widerstand“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: