Die Recycling-Lüge – Ein Dokumentarfilm in der ARD-Mediathek

Als ich die Einladung von Myriades Impulswerkstatt gesehen hatte, kam mir bei Bild 1 mit dem brennenden Feuer spontan der Dokumentarfilm aus der ARD-Mediathek in den Sinn. Das Thema ist sehr wichtig und es ist erschreckend, was hier alles passiert.

Der Dokumentarfilm – Die Recycling-Lüge

In dem Film wird gezeigt, dass nur ein kleiner Teil des Plastikmülls richtig recycelt wird – nur FÜNF Prozent. Das ist ein verschwindend geringer Prozentsatz gegenüber den Müllbergen, die sich auftürmen. Um die Statistiken aufzuhübschen, werden zum recycelten Teil auch downgecycelte Plastikberge – die sogar noch vom Staat subventioniert werden -, Plastikberge, die in Fabriken zur Energiegewinnung verbrannt werden – auch wieder vom Staat subventioniert – sowie all die Tonnen an Plastikmüll, die in das Ausland exportiert werden. Da hier aber bestimmte Länder, zum Beispiel mehrere asiatische Staaten oder die Türkei, den Import der Plastikberge reduziert haben, boomt der illegale Mülltransport über die Grenzen – vor allem durch die Mafia. Auf freien Flächen wird dann der Plastikmüll aus ganz Europa verbrannt.

Müllberge, die Flüsse verstopfen, brennende Plastikberge und der Vorwurf an verschiedene Firmen, die Recyclingquote künstlich hochzuhalten, bestimmen das Bild in dieser Dokumentation. Es werden auch viele Firmen genannt. Zum Beispiel Terracycle wird hier vorgeworfen, dass sie mit ihrem Konzept die Menschen betrügt. Freiwillige Helfer sortieren die Plastikberge vor und senden den sortierten Müll weiter – in der Meinung einen Beitrag zum Recycling zu leisten. Solche Pakete wurden aber in anderen Ländern gesichtet, wo der Plastikmüll einfach verbrannt wird.

Recycling sei ein Milliardengeschäft auf Lasten der Umwelt.

„In den letzten Jahren hat sich die Plastikkrise verschärft. Bilder von verendeten Tieren und verschmutzten Ozeanen gehen um die Welt. Die Verpackungsindustrie meint, eine Lösung für das Problem zu haben: Recycling. Auf immer mehr Flaschen, Schachteln und Tüten findet sich der Aufdruck ‘100 % recycelbar’. Aber wenn Recycling wirklich die Lösung ist, warum wird dann heute mehr Neuplastik produziert als je zuvor? Könnte Recycling in Wahrheit nichts weiter als ‘Greenwashing’ sein?“

— Aus der Beschreibung der ARD zum Dokumentarfilm

Kritik aus Verbänden

Bei meiner Recherche stieß ich auf Kritik, die im Zuge des Dokumentarfilms laut wurde. Das Packaging Journal zum Beispiel zitiert Peter Kurth, Präsident des BDE (Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft):

„Es ist richtig, dass im Bereich Kunststoffrecycling noch Hausaufgaben zu tun sind. Dies gilt insbesondere für das Design der Produkte und für den Ausbau des Rezyklateinsatzes in neuen Produkten. Die in der Fernsehdoku hergestellte Verbindung der Plastikvermüllung der Meere mit einem unzureichenden Plastikrecycling in Deutschland grenzt – freundlich ausgedrückt – an Täuschung..“

— Peter Kurth, Präsident des BDE – Quelle: Packaging Journal

Die Darstellung in dem Film sei also falsch. 90 Prozent des Plastikabfalls in den Weltmeeren stamme aus zehn Flüssen. Acht davon lägen in Asien, zwei in Afrika. Da dort ein ähnlich hoher Kunstoffverbrauch herrsche, aber kein Recyclingsystem, verschmutze der Müll dort die Umwelt.

Der BDE gibt auf seiner Internetseite an, dass er die Interessen der deutschen Kreislaufwirtschaft vertritt und der einzige Verband der deutschen Entsorgungswirtschaft sei, der mit einer permanenten Vertretung in Brüssel vor Ort sei. (Quelle: Über die Organisation). Dennoch sollte man das kritisch beäugen, denn alle großen privaten Entsorgungsunternehmen sind Mitglieder im BDE (Quelle: Wikipedia). Der BDE wurde – für mich gar nicht so überraschend – in die öffentliche Liste über die Registrierung von Verbänden und deren Vertreter (Quelle: Parlamentsarchiv – Stand 31.12.2021) aufgenommen. Diese Liste wurde vom Deutschen Bundestag veröffentlicht und zeigt, wie stark die Wirtschaft Einfluss auf die Politik nehmen kann.

Auch die IK – Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e.V. – äußerte Kritik in einer Pressemitteilung. Diese wirft der Dokumentation vor, einseitig und pauschal zu sein. Viele Aspekte wie zunehmender Rezyklateinsatz oder steigende Recyclingquoten würden dabei nicht benannt. In der Pressemitteilung gehen sie nicht näher darauf ein, sondern verweisen auf ihre früheren Mitteilungen und Internetseiten. Als Fazit schreiben sie:

„„Wir kennen unsere Schwachstellen und wir arbeiten daran, diese zu beheben. Wir wissen aber auch, dass wir zum Schaffen von Stoffströmen überzeugte Verbraucherinnen und Verbraucher brauchen. Diese sind durch die Reportage jedoch verunsichert worden. Als Reaktion auf den Film werden sie vermutlich nicht weniger Verpackungen nutzen, diese aber mit voller Überzeugung in den Restmüll und damit in die Verbrennung geben. Damit leistet Das Erste der Kreislaufwirtschaft einen Bärendienst“

— Quelle Newsroom

Wird sich etwas ändern? Mein persönliches Fazit

Den Machern des Dokumentarfilms dürfte klar gewesen sein, dass Interessensvertretungen und Recycling-Firmen Kritik üben werden. Durch die enge Verknüpfung von Politik und Wirtschaft liest sich für mich die Kritik an dem Dokumentarfilm so, als ob sie sich (natürlicherweise) nicht ernsthaft mit den Vorwürfen auseinandersetzen möchten. Entweder verweisen sie auf Plattitüden von Pressemitteilungen oder behaupten, dass die verschmutzten Meere und Flüsse durch Plastik aus anderen Staaten entstehe. Dass aber der Film Verpackungen aus anderen Ländern in Europa in diesen Flüssen zeigt, darauf wird nicht eingegangen. Die Eigeninteressen werden hier gewahrt. Ein gewisser Einfluss der privaten Entsorgungsunternehmen durch den BDE auf die Politik lässt sich auch nicht verleugnen.

Selbst wenn jeder Einzelne versucht weniger Plastik zu verwenden, werden diese Firmen weiterhin für ihre Eigeninteressen kämpfen. Das befreit jeden Einzelnen jedoch nicht vor der Verantwortung, die gegenüber der Umwelt besteht. Es heißt lediglich, dass es andere Lösungen braucht als nur einzelne Leute, die komplett auf Plastik verzichten. Es wird immer Leute geben, die Konsumgüter in Plastik kaufen, wenn diese angeboten werden. Mit diesem Müll verantwortungsbewusst umzugehen, ist die Aufgabe der Politik. Ob eine Verstaatlichung der Entsorgungswirtschaft die Lösung ist, weiß ich nicht. Ich weiß auch nicht, ob ein komplett plastikfreies Leben einzelner Menschen ein Schritt in die richtige Richtung ist. Es bleibt ja trotz allem die Frage: Was machen wir mit dem ganzen Plastik aus der Industrie?

Ein kleiner Schritt für jeden Einzelnen ist jedoch ein verantwortungsbewusster Umgang. Wenn ich in München sehe, wie oft Müll illegal abgelagert wurde, kommt jedes Mal Ärger in mir hoch. Selbst neben Containern stehen zum Beispiel Flaschen, da der Container zu voll war und die Bequemlichkeit die Leute gehindert hat, entweder zum nächsten Container zu gehen oder die Flaschen wieder mitzunehmen. Aber auch Sperrmüll entdecke ich immer wieder. Noch dazu achtlos weggeworfene Zigarettenkippen, Verpackungen von Fast-Food und vieles mehr. Wir müssen zwar das große Ganze sehen. Da ist unter anderem die Politik in der Pflicht, dieses Thema weiter zu verfolgen. Dennoch ist jeder Einzelne auch im Kleinen dazu verpflichtet, sich mit diesem überaus wichtigen Thema auseinander zu setzen und für sich Konsequenzen zu ziehen – weniger Plastik, mehr Reparaturen o.a. Die Liste ist lang und jeder muss für sich entscheiden, wie er damit persönlich umgehen möchte. Dennoch braucht es eine allumfassende und globale Lösung für das Problem.

3 Kommentare zu „Die Recycling-Lüge – Ein Dokumentarfilm in der ARD-Mediathek“

  1. Eine spannende Assoziation zu einem wichtigen Thema. Plastik bringt die Meere um, wenn man es verbrennt, entstehen giftige Dämpfe und trotzdem ist es in vielen Bereichen einfach unverzichtbar. Ich erinnere mich, dass es Bekterien geben soll, die Plastik verdauen können. Aber davon habe ich in letzter Zeit nichts mehr gehört..
    Danke für den einmal ganz anderen Beitrag 🌹

    Gefällt 1 Person

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