Was ist das Nötigste?

Flüchtlinge prägen die Nachrichten, die sozialen Medien und die ganze Wahrnehmung. Flüchtlinge gab es schon immer und wird es leider noch lange geben.

Für uns, die wir im Frieden leben, ist es kaum vorstellbar, aus dem Leben gerissen zu werden. Alle bisherigen Prioritäten verschieben sich. Man ist plötzlich gezwungen, das Nötigste zu nehmen und seine Heimat zu verlassen. Etwas Kleidung, etwas zu essen, vielleicht ein kleiner Anteil an Hygieneartikeln oder noch wichtige Papiere.

Manchen bleibt noch nicht einmal die Zeit, etwas mitzunehmen. Die Menschen müssen ihr bisheriges Leben in Trümmern hinter sich zurück lassen. Familien werden getrennt, einige vielleicht sogar getötet. Ich sehe die Verzweiflung in den Gesichtern, kann es aber nicht begreifen.

Welche Gedanken beschäftigen sie? Welche Ängste bewegen sie?

Ich sehe aber auch Hoffnung in den Gesichtern, wenn Flüchtlinge in sicheren Ländern ankommen. In Ländern, in denen keine Bomben fallen, keine Schüsse zu hören sind.

Werden sie je wieder in Ruhe leben können? Werden die Erinnerungen sie später wieder einholen? Werden sie in einem anderen Land ihre Heimat finden? Werden sie wieder zurück gehen, wenn in ihrem Land Frieden herrscht?

Diese und noch mehr Fragen beschäftigen mich. Es sind große und schwere Fragen. Antworten darauf finde ich nur in begrenztem Maß. Vieles ist für mich unbegreiflich.

Derzeit ist die Hilfsbereitschaft in den Nachbarländern groß. Am Anfang gab es etliche Sondersendungen. Die Nachrichten haben sich gefühlt nur um den Ukraine-Krieg gedreht. Im Lauf der Zeit nehmen diese ab. Je länger der Krieg dauert, desto geringer wird das Interesse und die Hilfsbereitschaft. 

Wollen wir auf einen Teil unseres Wohlstands verzichten, um anderen zu helfen? Wird dies unsere Gesellschaft verändern? Und auch: Was ist das Nötigste? Worauf könnte ich verzichten? Was braucht man zum Überleben?

Viele Menschen auf der ganzen Welt haben keine Wahl darüber nachzudenken. Sie müssen handeln, um ihr Leben zu retten. Der Krieg in der Ukraine hat uns das Leid der Flüchtlinge drastisch vor Augen geführt. Je weiter weg die Leiden der anderen sind, desto bedeutungsloser erscheinen sie in unseren Augen, desto mehr verschließen wir die Augen.

Das Osterfest zeigt uns, wie nahe Leiden und Hoffnung zusammen stehen. Dieselben Emotionen, die auf den Gesichtern all derer zu sehen sind, die vom Krieg oder anderer Gewalt betroffen sind.

Im Zeichen des Karfreitags richten wir den Blick auf alle Menschen, die leiden – physisch und psychisch. Im Zeichen vom Ostersonntag hoffen wir, dass Frieden für alle möglich ist und kommen wird.

4 Kommentare zu „Was ist das Nötigste?“

  1. Ja, das Leid der Flüchtlinge aus der Ukraine rührt gerade bei uns Deutschen vieles auf. In vielen Menschen kommt hoch, was ihre eigenen Eltern oder Großeltern unterdrücken mussten: Traumata aus dem 2. Weltkrieg. Traumata von Ausbombung, Flucht, Vertreibung, Heimatverlust. Ich finde es unglaublich schön, jetzt diese Hilfsbereitschaft zu sehen, die ja auch dabei hilft, dass diese alten Traumata jetzt endlich heilen können.

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  2. Du hast Recht es wird immer Flüchtlinge geben, Menschen verlassen aus unterschiedlichen Gründen ihre Heimat . Ich bekomme diese Flucht täglich mit und nicht weil ich von morgens bis abends von einem TV Sender zum Anderen klicke. Wir haben eine ukratinische Frau und ein Kind in unserer Familie aufgenommen. Für uns ist es ein Akt der Nächstenliebe und nicht weil wir uns damit ins öffentliche Licht stellen wollen. Das was ich aber im TV seit Woche täglich serviert bekomme, ist einfach nur wiederlich . Dieser Krieg und die damit verbundene Flucht ist ein Fressen für die Medien. Corona ist längst ausgelutscht, das sieht sich kein Mensch mehr an . Aber eine Hinterbliebene zu filmen, die grad ihre Familie verloren hat,das ist doch Aktion pur. Ich bin erschrocken darüber, wie gnadenlos dieser Krieg von Sendern ins Besondere der öffentlich rechtlichen, die ja Kirchenträgen im Beirat sitzen haben ausgenutzt wird.
    Ich sehe mir solch skrupellose Berichterstattung nicht mehr an, auch zum Schutz unserer ukrainischen Gäste nicht.
    VG Werner der Vogelknipser

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