„Last Christmas“ von Wham! – ein Evergreen

Jedes Jahr das gleiche Spiel. Im Radio und Fernsehen tauchen – pünktlich zur Adventszeit – Lieder und Filme auf, die zu Evergreens in der Weihnachtszeit wurden. Dazu zählen unter anderem der Film „Der kleine Lord“ oder „Kevin allein zu Haus“ oder aber auch Lieder wie „All I Want For Christmas Is You“ von Mariah Carey oder das meistverkaufte Lied „White Christmas“ von Bing Crosby.

Auch das Lied „Last Christmas“ von Wham! hört man immer und immer wieder im Radio. Das Lied stammt aus dem Jahr 1984 und erzählt von einer verflossenen Liebesbeziehung. Zwar war das Lied im Erscheinungsjahr auch erfolgreich, aber das Lied „Do They Know It’s Christmas“ von Band Aid war damals die Nummer eins. Dieses Lied kennt jedoch heute kaum noch einer. Große Weihnachtslieder dazwischen gab es nicht. Zwar hatten die Lieder „Happy Xmas (War Is Over)“ von John Lennon und „Merry Xmas Everybody“ von Slade zwischenzeitlich Erfolg. Dieser Erfolg basierte jedoch lediglich darauf, dass sie die Idee des klassischen Weihnachtsfestes in Frage stellten (vgl. dazu das postmoderne Wort Xmas).

Weihnachten unreflektiert schön zu finden galt in den 70er Jahren nicht nur als spießig, sondern geradezu als unmöglich.

Sebastian Hammelehle: Ein Skilift in die Ewigkeit in Welt am Sonntag

Zwar hatte Wham! einige Erfolge mit „Wake Me Up Before You Go Go“ und „Club Tropicana“, aber ernst genommen wurden sie nicht. Daher war auch nicht zu erwarten, dass ihr Weihnachtslied „Last Christmas“ die Zeiten überdauern würde. Jedoch:

Das wirklich Besondere an dem Lied ist, daß Wham als erste Popband die Existenz von Weihnachten einfach hinnahmen: Sie überhöhten es nicht, indem sie versuchten, den Geist des guten, alten Fests der Prä-Rock-’n‘-Roll-Ära wieder zu beleben – aber sie bekämpften es auch nicht. […] Unterschwellig geht es um nichts anderes als darum, ein traditionelles Fest nur seiner schönen Oberfläche wegen zu feiern; in klassischer Manier, aber nicht im klassischen Geist – das ist heute hochmodern.

Sebastian Hammelehle: Ein Skilift in die Ewigkeit in Welt am Sonntag

Ich selbst dachte am Anfang dieses Artikels: Was hat der Text mit Weihnachten zu tun? Warum wird das Lied immer in der Weihnachtszeit gespielt? Natürlich handelt das Lied in der Zeit von Weihnachten, aber Liebeskummer ist nun mal nicht die erste Assoziation, die ich mit Weihnachten verbinde. In dem Artikel von Sebastian Hammelehle dagegen fand ich eine schlüssige Erklärung, die mir selbst nicht gekommen wäre:

So löste er im Jahr 1984 Weihnachten vollends von den überlieferten Bezügen und schaffte dabei zugleich eine Spannung zwischen Hoffnung und Leiden, die in etwas komplexerer Form auch das Christentum ausmacht.

Sebastian Hammelehle: Ein Skilift in die Ewigkeit in Welt am Sonntag

Das Datum des Weihnachtsfestes schafft diese spezielle Fallhöhe, denn das Lied könnte genauso gut an jedem anderen Tag spielen, da nur das Wort Christmas vorkommt und keine anderen Verbindungen zum Weihnachtsfest gezogen werden. Zu einem Klassiker wird es, da das Lied zeitlos geschrieben wurde. Der Ausdruck „Last Christmas“ kann sich auf jedes Jahr beziehen und schafft so eine Art „Perpetuum mobile“, das sich jedes Jahr wiederholen kann. Auch die Macher des Videoclips schienen dies im Blick gehabt zu haben. Trotz Frisuren und Bräuche aus den 80er-Jahren könnten die allgemeinen Aussagen des Videos kaum größer sein, wie die Schneeballschlacht, der Hüttenabend. Daher ist „Last Christmas“ auf MTV genauso verpflichtend zu Weihnachten wie „Dinner for One“ zu Silvester. Jedoch:

Doch anders als bei diesem Sketch wünscht sich der Zuschauer, daß sein Fest ebenso idyllisch verlaufen möge wie im Videoclip – ein gebrochenes Herz würde den Reiz nur verstärken. Wer jetzt an das „Fest der Liebe“ denkt, liegt gar nicht so falsch.

Sebastian Hammelehle: Ein Skilift in die Ewigkeit in Welt am Sonntag

Durch diesen Artikel von Sebastian Hammelehle verstehe ich nun langsam, warum das Lied „Last Christmas“ zu einem Klassiker wurde. Jedoch würde ich mir persönlich manchmal wünschen, dass es nicht so oft im Radio läuft. Weniger ist doch manchmal mehr. Es nervt schon manchmal, wenn es gefühlt hundert mal am Tag läuft.

2 Kommentare zu „„Last Christmas“ von Wham! – ein Evergreen“

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