Stressiger Adventsabend

„Schaaahaatz?? Hast du auch an den Adventskranz gedacht?“, ertönte die liebreizende Stimme meiner Frau. „Ja!“, entgegnete ich kurz, den Impuls unterdrückend, meine werte Gattin um Hilfe zu bitten. Ich wusste, dass sie noch an den Weihnachtsdekorationen bastelte. Jedoch mit zwei schweren Einkaufstüten bepackt und zwei Kindern, die lärmend versuchen, an mir vorbeizustürmen, hätte ich wirklich gerne Hilfe gehabt. Ich hielt Anton und Frauke gerade noch auf, bevor sie den Schnee im ganzen Haus verteilten. Seufzend stellte ich meine Taschen ab und widmete mich dem ungeduldigen Nachwuchs. Sie wollten endlich Mama helfen – der Einkauf hatte ja auch lange genug gedauert bei den vollen Geschäften. Als ich beide endlich von ihren Sachen befreit hatte, stürmten sie regelrecht nach oben. Jedes Jahr sind sie mit Feuereifer bei den Vorbereitungen dabei. Wie lange würde das noch dauern? Nächstes Jahr kam Anton schon auf das Gymnasium. Würde er sich diese kindliche Freude bewahren können oder legte er sie mit der Zeit irgendwann ab?

Wenigstens konnte ich mich nun in Ruhe den Einkäufen widmen, während meine Frau lautstark begrüßt wurde. Mit dem Radio neben mir wurde die Arbeit erleichtert. So vertieft merkte ich nicht, wie ungewöhnlich ruhig es wurde. Als ich alle Lebensmittel im Kühlschrank verstaut hatte, erschrak ich, als Anton plötzlich vor mir stand. Ich hätte es mir schon denken können. Er kochte lieber anstelle von Basteln – und wir waren ja schon weit über der normalen Zeit. „Was gibt es denn zu essen? Ich habe Hunger. Ich helfe auch!“ Einem ersten Impuls folgend sagte ich scherzend: „Es gibt heute nichts zu essen. Wir müssen noch dekorieren.“ Verblüfft und ernst blickte er mich an: „Ich esse, weil ich immer wieder etwas essen muss!“ Erstaunt blickte ich ihn an. Mir war schlagartig bewusst, dass Anton meinen Scherz nicht verstanden hatte. Also legte ich die Zutaten für einen winterlichen Salat zurecht und bat ihn, die Salatblätter zu waschen. Wir wollten heute nur etwas Schnelles machen, da es ja schon spät war. In weniger als zehn Minuten war das Essen fertig und ich trommelte meine ganze Familie zusammen.

Am Tisch sitzend hatten wir natürlich wieder einmal die Streichhölzer für den Adventskranz in der Küche vergessen. Das passierte uns immer, wenn der Advent startete, vor allem in der ersten Woche. Also erbarmte ich mich und holte sie. Endlich saßen wir am Tisch und die erste Kerze brannte friedlich vor sich hin. Wie immer erzählten wir einander vom Tag, als es plötzlich verbrannt roch. Erschrocken blickten wir in Richtung Kerze. Jedoch flackerte sie ruhig vor sich hin, wie es sich eben für eine Kerze gehörte. Verwundert machten wir uns auf die Suche nach der Ursache des Gestankes. Anton, der neben Frauke saß, deutet erschrocken auf ihre Haare. Sie hatte sich wohl unvorsichtig der Kerze genähert und hatte nicht mitbekommen, wie die Kerze ihren Hunger auch an ihren langen Haaren stillte. Gott sei Dank waren die Haare nur angesengt. Für Frauke jedoch war es der Weltuntergang. Sie hatte sich vorgenommen, die Haare ganz lang wachsen zu lassen und nun mussten wohl ein paar Zentimeter deswegen abgeschnitten werden. Sie weinte bitterlich, obwohl wir versuchten, ihr zu erklären, dass die Haare doch wieder nachwachsen würde. Langsam aber beruhigte sie sich wieder und wir aßen zu Ende.

Nachdem unsere Kinder zu Bett gegangen waren, ließen meine Frau und ich uns erschöpft auf dem Sofa nieder. Der Abwasch stand zwar noch in der Küche, aber wir hatten nach diesem stressigen Abend keine Lust mehr darauf. Er konnte ruhig noch bis morgen warten.

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