Eine Gespenstergeschichte

Zugegeben verleiten die drei Wörter von Christiane zunächst zu einem Text mit vielen Alliterationen. Dennoch habe ich davon Abstand genommen, da in mir eine vollkommen andere Idee reifte. Mit den Wörtern Kürbis, kitzlig, krakeln habe ich folgende Geschichte verfasst:

Umgeben von gespannten Gesichtern begann ich: „Es war einmal…“ „Haaaaalt!!“ „Wiee langweilig“, „Das ist doch nur ein Märchen!“, riefen sofort alle Kinder empört durcheinander. Max ergriff die Initiative: „Du wolltest uns doch eine Gespenstergeschichte erzählen.“ Zugegeben der Anfang entsprach nicht dem Anlass. Der wundervoll geschnitzte Kürbis als einzige Lichtquelle gab schon ein gruseliges Umfeld ab. Ich erwiderte nur: „Wartet ab!“ Sofort war es wieder still.

„Also: Es war einmal. Und wisst ihr, was war? Nämlich ein kleines, junges Gespenst. Sein größter Wunsch war es, einmal gut spuken zu können. Es konnte noch nicht einmal eine gruselige Schrift an die Wand krakeln. Zu Tode betrübt saß es eines Abends auf den Stufen der Burg, als ein altes, weises Gespenst vorbeikam.

Nach einigen Momenten des Schweigens fand der Jungspuker den Mut und fragte: „Wie kann ich nur lernen, die Menschen zu erschrecken?“ „Weißt du,“ fing das alte Gespenst an „wer du überhaupt bist?“ Verwirrt über die Frage starrte er den Alten an. Dieser fuhr fort: „Als Möchtegernspuker versuchst du gerade, andere nachzumachen. Finde deinen eigenen Weg.“ Mit diesen Worten verließ er das junge Gespenst. Lange blieb es noch sitzen und dachte über die Worte nach. Plötzlich wusste es die Antwort. Es erinnerte sich daran, dass Menschen, speziell die Babys kitzlig sind. Genau das wollte das Junggespenst ausnutzen. Es verbreitete von da an ein Lächeln auf den Gesichtern der Babys. Über Nacht lernten diese das Lachen, wie die überraschten Eltern am Morgen mit Freude feststellten. Das junge Gespenst war nun erwachsen geworden. Es tat nun, worin es gut war und verschwendete keinen Gedanken mehr daran, was die anderen Gespenster an Gruselgeschichten erzählten.“

Die Kinder strahlten, als sie das Ende der Geschichte hörten. In ihren lächelnden Gesichtern konnte ich lesen, wie sie sich vorstellten, das eigene Lachen gelernt zu haben.

10 Kommentare zu „Eine Gespenstergeschichte“

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