Total sus

Wie kommt man auf diese drei Stichwörter: Biedermeier, niederträchtig, flöten? Und was bewegt Christiane dazu, ausgerechnet mit diesen zum kreativen Schreiben einzuladen? Da hilft nur ein spießbürgerlicher Blick ins Lexikon und ein nicht weniger spießbürgerlicher Griff in die Jugendwortschatztruhe. 😉

Jetzt gehe ich die Sache systematisch an und greife, ganz der alte Spießbürger, zum Lexikon. Ich habe es von meiner Mama zum Abitur geschenkt bekommen und es hat mir schon manchen guten Dienst erwiesen. Es könnte in einen Biedermeier-Haushalt passen und genau diesem Stichwort gilt mein Interesse: Biedermeier. Das Wort sei, heißt es, eine satirische Bezeichnung für einen gutmütigen Spießbürger. Außerdem bezeichne es eine Kulturepoche, jedoch ohne besonderen Einfluss.

Ich beginne mir eine biedere, was sonst, Familie vorzustellen, in der zu Ostern Eier gefärbt und für die Kinder versteckt, Adventskalender selber gebastelt werden und die Kinder an Weihnachten „Stille Nacht“ tröten und flöten. Womit sich immerhin schon zwei der drei Bausteine aus Christianes Schreibeinladung als einigermaßen sinnvoll verknüpfbar erwiesen hätten. Doch cringy Mister Biedermeier stellt sich quer. Warum ist der nicht boshaft und niederträchtig, wie andere normale Menschen? Ausgerechnet gutmütig muss er sein. Total sus, dieser Typ.

Autor: Emsemsem

Ob gereimt oder nicht: Ich mach's und mag's kurz auf Emsemsem.net.

13 Kommentare zu „Total sus“

  1. Na, cringe und sus hast du aber bestimmt nicht aus deinem Lexikon 😉
    Tja, so völlig ohne Aufregung kommt man heutzutage gar nicht mehr gut an. Da muss dann wenigstens bei dem Geflöte der Baum anfangen zu nadeln 😉
    Danke dir, schön, dass du/ihr wieder mitschreibt! 😀
    Morgenkaffeegrüße 😁🌄🌳🍂☕🍪👍

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        1. Ich denke da an die Zeit, als das Französische en Vogue war, was in meiner Kindheit noch in durchaus gängigen Wörtern wie Trottoir, Plafond, Billetten, Portmonee etc. zu spüren war. Allerdings hatte sich insbesondere der bayerische Dialekt diese Wörter zu eigen gemacht, als gehörten sie schon immer dazu. Das steht bei den heutigen Anglizismen noch aus.

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          1. Aha … 😉 … mir sind all diese Worte so geläufig wie dir und ich selbst verwende bloß Portmonnaie nicht (mehr ?) – Wien war vielleicht seit dem tanzenden Kongreß frankophon unterwandert oder hat sich ebenfalls stark an die Sprache des Adels angebiedert – die internationale ‚Postsprache‘ war (ist ?) übrigens noch bis in unsere Zeit das Französische.
            Was ich aber nicht akzeptabel finde ist der Umstand, daß von 4 ’neu aufgenommenen Worten‘ im Duden 2 bis 3 Anglizismen sind, für die es auch deutsche Worte gäbe, siehe sus – wobei ich ‚Jugendsprache‘ durchaus gut finde, eine Notwendigkeit, ohne Zweifel. Aber man kann die Kirche auch im Dorf lassen wo sie gut steht und muß sie nicht in die Stadt verpflanzen, damit jeder darüberstolpern kann…

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          2. Der unbedachte Umgang mit der Sprache gibt mir auch zu denken. Meine Kritik richtet sich vor allem an die, die professionell mit Sprache zu tun haben, etwa Journalisten oder Gender-Wissenschaftlern. Wie bedenkenlos man die Fähigkeit unserer Sprache zur Bildung von Allgemeinbegriffen zu eliminieren bereit ist, macht mich, nun ja, sprachlos.

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          3. Ja. Umso wichtiger ist es, eigene Identität zu behalten bzw weiterzuentwickeln … es wird eine kleine Minderheit werden nach einer prosperierenden Zeit des willkommenen Sprachwildwuchses. Aber gut: nachdem es für mich danach aussieht, als sollten zukünftig alle den vorgegebenen Einheitsbrei denken, brauchen wir natürlich eine Einheitsbreisprache, die jeder versteht, ohne über die Be/Deutung von Worten nachdenken zu müssen – das verstehe ich natürlich … 😉

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