Auf dem Weg zur Schlickeralm

Die drei Wörter von Christianes Schreibeinladung stellten mich vor eine Herausforderung, bis ich entdeckte, dass die Schlick auch ein Talkessel in den österreichischen Alpen ist. Daran anlehnend habe ich meine Geschichte aufgebaut. Die Schlickeralm existiert auch. Die Personen und Handlungen aber sind frei erfunden. In maximal 300 Wörtern müssen enthalten sein: Schlick, ominös und putzen.

Fröhlich machte sich Familie Meier zu ihrem heutigen Tagesausflug in den österreichischen Alpen auf. Um dem modernen Großstadtlärm zu entkommen, gönnten sie sich ein paar Tage in den Bergen. Die Berliner entschieden sich an diesem Tag, über die Schlick zu gehen, um später in der Schlickeralm zu übernachten.

Gegen Mittag erreichten sie die Schlick und suchten sich ein schönes Plätzchen. In dieser Idylle ließ es sich sehr gut brotzeiten. Valentin, der sehr ungünstig saß, musste alle möglichen Sachen hin und her reichen. Es fing beim Brot an, ging mit dem Salz weiter und hörte schließlich mit der Nachspeise auf. Das hat ihn so aufgebracht, dass er lospolterte: „Bin ich etwa die Drehscheibe des kulinarischen Austauschs?“ Verdutzt schauten ihn alle an, bis Valentin herzhaft lachte und die anderen erleichtert einfielen.

Völlig abgelenkt merkten sie nicht, wie sich ihnen jemand näherte. Pötzlich unterbrach eine schneidende Stimme die Herzlichkeit: „Putzt‘s eich, ihr Saubeidl!“ Erschrocken blickten sie auf und sahen eine ominöse Figur, die einem Waldschrat ähnelte. Sein Gesicht verdeckt hinter einem Vollbart starrte sie alle wütend an. Sein Hut hing ihm schief ins Gesicht und mit seinem krummen Stock konnte er seinen Buckel nicht verbergen. Durch seine Vehemenz verängstigt packten sie eilig und unter seinen zusammengekniffenen Argusaugen zusammen, obwohl die Berliner kein Wort verstanden hatten. Haargenau beobachtete er sie, dass sie ja nichts liegen ließen.

Mit einem unguten Gefühl und in bedrückter Stimmung wanderten sie weiter. Was für eine merkwürdige Begegnung! In der Schlickeralm erzählten sie es dem Wirt. Er lachte und erklärte ihnen, dass das wohl der Hirte gewesen sein muss. Die Ausdrucksweise würde schroff erscheinen, aber nur bedeuten, dass sie lieber woanders hingehen sollten, da dies ein Naturschutzgebiet sei, in dem sie ihre Pause gemacht hatten.

5 Kommentare zu „Auf dem Weg zur Schlickeralm“

  1. Da musste ich dann sofort mal schauen: Aha, Stubaier Alpen, interessant, wieder was gelernt! So wie beim Etüdenintermezzo: Es gibt einen Ort, der „Sommerloch“ heißt 😉 Etüden bilden! 😀
    Und ansonsten werde ich jetzt immer wissen, dass man „Putzt’s eich“ sagen kann, wenn man will, dass Leute abhauen. 😉 Tja, gut, dass sie jetzt wenigstens wissen, was sie falsch gemacht hatten …
    Danke dir fürs Mitschreiben, schön, dass dir noch was eingefallen ist!
    Morgenkaffeegrüße! 😀

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    1. Ja, die Geschichte ist mir bei der Recherche eingefallen. Das hat sich ausgezahlt. Ich denke, dass noch eine Geschichte von mir und eine von meinem Mitautor kommen wird. Somit war es doch produktiver als gedacht. Freut mich, dass du etwas lernen konntest.
      Liebe Grüße Monika

      Gefällt 1 Person

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