Die Fliege und die Spinne – Impulswerkstatt von Myriade

Die Bilder von Myriade haben mich zu einer zweiten Geschichte inspiriert. Es basiert auf dem Bild Nummer zwei mit dem Spinnennetz. Es ist eine kleine Fabel geworden. Viel Spaß beim Lesen.

Akkurat zog die Spinne ihre Bahnen, um ihre Falle fertig zustellen. Sie freute sich schon darauf, ihren Vorrat wieder aufstocken zu können. Unglücklicherweise wurde ihr Netz mehrfach zerstört; Sturm, große Tiere und sogar Menschen zerstörten ihr Netz, obwohl sie doch nur half, das Kleingetier zu reduzieren. Ihre Vorräte gingen langsam zu Ende. Zum Abschluss testete sie noch einmal die Festigkeit ihres Netzes. Plötzlich öffnete der Himmel seine Pforten. Zitternd wartete die Spinne am Rand ihres Netzes. Hoffentlich hielt ihr Netz dieses mal stand! Erleichtert atmete sie auf, als die Sonne wieder hervor lugte.

Sie legte sich auf die Lauer. Einige Zeit später erzitterte ihr Netz. Schnell eilte sie hin, um ihre Nahrung in die Vorratskammer zu bringen. Es war zwar nur ein kleiner Marienkäfer, aber immerhin. Schnell reparierte sie ihr Netz, um weitere Erfolge zu erzielen. Kurze Zeit später spürte sie wieder ein Zittern an ihren haarigen Beinen. Das Glück schien ihr heute hold zu sein. Erfreut machte sie sich auf den Weg, um die Beute zu sichten.

Die Fliege, die sich nun verfangen hatte, wehrte sich jedoch verzweifelt. Die Fliege flehte die Spinne an, sie zu verschonen. Sie hätte eine große Familie zu versorgen. Die Spinne hörte ihr zwar zu, dachte aber an ihre leere Vorratskammer. Das spürte die Fliege. Ihr fiel eine wahnwitzige Idee ein, um sich zu retten. So sprach sie zu Spinne:

„Wenn du mich freilassen würdest, könnte ich dir helfen.“ Die Spinne lachte hell auf. Wie könnte ihr Opfer ihr denn helfen? Diese Fliege schien größenwahnsinnig zu sein!

Die Fliege erwiderte: „Ich verstehe, dass du durch deine Schicksalsschläge schwer gebeutelt bist. Ich sehe, dass deine Vorratskammer wenig gefüllt ist. Ich hoffe, dass du genug Essen findest. Jedoch wirst du an diesem Platz wenig Glück haben.“

Die Spinne antwortete verwirrt: „Du bist doch in mein Netz gegangen, kurz nachdem ich einen kleinen Marienkäfer gefangen hatte. Warum soll dies ein schlechter Platz sein?“

„Das war nur Glück“, erwiderte die Fliege. „Normalerweise umfliege ich auch dieses Gebiet, da die Pflanzen hier mit Gift bearbeitet werden. Es gibt hier für uns nichts zu futtern. Ich selbst war jedoch in Eile und vergaß auf den Weg zu schauen. Ich kann dir aber einen sehr guten Platz am Wasser zeigen. Dort wimmelt es nur so von Insekten. Die einzige Bedingung ist, dass du mich freilässt und mich mit meiner Familie in Ruhe lässt.“

Die Spinne dachte kurz nach. Was hatte sie schon zu verlieren? Es würde ein reich gedeckter Tisch warten, wenn sie nun verzichtete. So vertraute sie der Fliege und ließ sich zu dem Ort führen. Der Tisch war hier wirklich sehr reich gedeckt. Das merkte sie schon von Beginn an. Vor allem Fliegen schien es hier in Massen zu geben. Die werden ja wohl nicht alle zur Familie gehören, dachte sich die Spinne und machte sich erfreut ans Werk.

In der Zwischenzeit aber machte sich die Fliege daran, die gute Nachricht zu verbreiten. Die Fliegen, die gefangen würden, müssten sich nur auf dieses Versprechen berufen – sie ging nämlich nicht davon aus, dass die Spinne sie unterscheiden könnte. Da die Fliegen untereinander sehr gut vernetzt waren, waren rasch alle Fliegen in der Umgebung informiert. Sogar aus den nachbarlichen Gefilden kamen ein paar Fliegen zu Besuch – allein um die Spinne zu ärgern – sie gehörte schließlich zu ihren Feinden. Eine Lektion kann schließlich niemandem schaden.

Zuerst schien die Spinne nach ihrer Vorfreude wohl Pech zu haben. Sie fing nur Fliegen, die der Familie ihres ehemaligen Opfers angehörten. So übte sie sich in Geduld. Es konnten ja nicht alle einer Familie entspringen. Nach ein paar Tagen und zahlreichen Freilassungen jedoch kamen ihr Zweifel und ihr Ärger wuchs ins Unermessliche. Wie sollte sie überhaupt kontrollieren, ob alle zur Familie gehörten? Fliegen sahen doch alle gleich aus. Nicht eine Fliege konnte sie für sich behalten und anderes Kleingetier war an diesem Ort kaum unterwegs, so dass ihre Vorratskammer nicht voller wurde.

Wie könnte sie nur die Fliege finden, die ihr diese Falle stellte? Ihre Wut wuchs ins Unermessliche. Bald sah sie rot und war kurz davor ihr Versprechen zu brechen. Wenn sie sich jedoch nicht an das Versprechen hielte, wäre ihr Ruf ruiniert. Selbst unter den Spinnen wurde ein Versprechen als heilig angesehen. Wenn sich das herumspräche, könnte sie sich bei ihren Artgenossen nicht mehr blicken lassen. In dieser großen Zwickmühle befand sich die Spinne nun und sie hungerte dabei sehr. Da sie jedoch noch sehr jung war, konnte sie auch nicht auf ihren guten Ruf verzichten. Sie wollte ja noch weitere Spinnen zur Welt bringen. So beschloss die Spinne schweren Herzens, weiter zu ziehen, um überleben zu können.

Sie schwor sich, sich nie wieder auf so einen Handel einzulassen. Wer hätte schon ahnen können, dass diese kleine Fliege eine solch große Verwandtschaft hat und so gerissen ist?

3 Kommentare zu „Die Fliege und die Spinne – Impulswerkstatt von Myriade“

  1. Das ist die erste Fliegen-Spinnenfabel, die ich lese 😀Toll finde ich, dass es dir gelungen ist, die Spinne sympathisch zu machen ohne die Fliege allzu schlecht dastehen zu lassen. Vielen Dank für den tierischen Sommerbeitrag 🌹🌺

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