Sofie Lundberg: Das rote Adressbuch

Sofia Lundberg stammt aus Schweden und wurde 1974 geboren. Sie arbeitete zuerst als Journalistin. Danach widmete sie sich dem Schreiben. Mit ihrem Debüt „Das rote Adressbuch“ eroberte sie die Welt schnell. Ihr erstes Buch wurde in über 30 Länder verkauft.

Doris hat in ihrem hohen Alter nur zwei Verbindungen zur Außenwelt. Einerseits wird sie zuhause gepflegt. Andererseits erhält sie, die in Schweden lebt, immer wieder Skype-Anrufe von Jenny, ihrer Großnichte aus Amerika. Doris beschließt daher, ihre Geschichte für Jenny aufzuschreiben. Anhaltspunkte liefert ihr rotes Adressbuch, das sie mit zehn Jahren von ihrem Vater geschenkt bekommen hat. Dies begleitet sie durch ihr ganzes Leben.

Jetzt am Ende ihres Lebens stehen schon viele durchgestrichene Namen im Adressbuch mit dem Vermerk „tot“. Doris hat ein bewegtes Leben hinter sich. Sie wächst in einer armen Familie in Schweden auf. Als Vater stirbt, war sie gerade einmal 13 Jahre alt. Als Älteste jedoch wurde sie von ihrer Mutter aus der Schule genommen und sie musste als Dienstmädchen anfangen zu arbeiten. Ihre Herrin, die Madame, gab immer wieder Partys. Auf diesen lernte Doris den Künstler Gösta kennen, der sie ihr ganzes Leben begleiten sollte. Als sie mit ihrer Herrin nach Frankreich gehen sollte, verabschiedete ihre Mutter sie mit den Worten:

„Ich wünsche dir von allem genug. Genug Sonne, die Licht in deine Tage bringt, genug Regen, damit du die Sonne schätzen kannst, genug Glück, das deine Seele stärkt, genug Schmerz, damit du auch die kleinen Freuden des Lebens genießen kannst, und genug Begegnungen, damit du die Abschiede besser verkraftest.“

–aus: Sofia Lundberg: Das rote Adressbuch

In Paris wurde Doris als Schönheit entdeckt und arbeitete schwer als Mannequin. Hier lernt sie ihre große Liebe Allan kennen, der plötzlich aus ihrem Leben spurlos verschwand. Kurz danach starb ihre Mutter und sie musste sich um ihre 13-jährige Schwester Agnes kümmern. Sie wünschte ihr eine bessere Zukunft und tat alles, um sie auf die Schule gehen zu lassen. Doch dann brach der Zweite Weltkrieg aus und die Nachrichten wurden immer schlechter. Doris erhielt in dieser Zeit einen Brief aus Amerika. Er kam von Allan, in dem er ihr erklärt, dass er zu seiner kranken Mutter fahren musste. Er bat sie, zu ihm nach Amerika zu kommen.

Nach langen Überlegungen brachen Agnes und Doris in ein fremdes Land auf, in dem Doris hoffte, ihre Liebe zu finden. Als sie in Amerika ankamen, stellten sie fest, dass Allan bereits verheiratet war. Der Brief war viel zu lange unterwegs gewesen. Doris und Agnes mussten sich also in diesem fremden Land alleine durchschlagen. Agnes findet hier ihre große Liebe, mit der sie ein Kind haben möchte. Sie wurde schwanger, starb aber bei der Geburt ihrer Tochter. Doris derweil hielt es nicht mehr in Amerika aus. Ihre Liebe zu Allan, der im Krieg nach Frankreich ging, war zu groß.

Als Junge verkleidet heuert sie auf einem Schiff als Koch an. Auf dem Schiff wurde Doris vergewaltigt und das Schiff wurde beschossen und ging unter. Doris wurde gerettet und landete in einem kleinen Dorf in England, wo sie eine Fehlgeburt erlitt. Ihr schwedischer Freund Gösta finanzierte ihr die Überfahrt nach Schweden. Hier lebte sie lange Zeit mit ihm zusammen. Doch ihre wahre Liebe Allan hat sich nicht gefunden.

Die Geschichte wird umrahmt von der Gegenwart, in der Doris stirbt und in das Krankenhaus gebracht wird. Jenny selbst reist nach Schweden, um an ihrer Seite zu sein. Während sie in Schweden ist, liest sie die Geschichte Großtante und beschließt, nach Allan zu suchen. Sie hofft, ihn zu finden, bevor ihre Großtante stirbt.

Das Buch ist sehr einfühlsam geschrieben und beschreibt das Leben von Doris und Jenny auf exzellente Weise. Letzten Endes geht es im Leben um die Liebe. Das beweist auch der Spruch am Ende des Buches:

„Unter jedem Grabstein ruht die Liebe. So viel Liebe. Ein Augenaufschlag, der das ganze Leben auf den Kopf stellt. Ineinander verschlungene Hände auf einer Parkbank. Der Blick der Eltern auf ihr Neugeborenes. Eine Freundschaft, die so stark ist, dass sie keine Leidenschaft braucht. Zwei Körper, die immer wieder zu einem verschmelzen.

Liebe.

Es ist nur ein Wort. Aber es birgt so viel mehr. Am Ende ist die Liebe das Einzige, was zählt.

Hast du genug geliebt?“

Sofie Lundberg, Das rote Adressbuch Seite 350

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