Lilu – Aufstehen und eine Reise tun/Teil 4

Löffelchen

„Sie wünschen?“ fragte eine weibliche Stimme.

„Ach ja, haben Sie Pfefferminztee?“

„Ja.“

„Gut. Bitte bringen mir also ein Kännchen Schwarztee und eine Tasse Pfefferminztee.“

„Ein Kännchen Schwarztee und eine Tasse Pfefferminztee. Is’ recht.“

„Ja, vom Pfefferminztee nur eine Tasse. Das reicht allemal. Wahr­scheinlich schafft er sowieso nur ein Lüffelchen voll.“

„Wie Sie wünschen.“

Über ihr Gesicht huschte ein leicht trotteliger Ausdruck. Wahr­scheinlich dachte sie: Mir kann’s recht sein. Geht mich ja nichts an. Sie blickte mich für einen Augenblick so an, als hätte ich ein felsenfest zusammengefügtes Weltbild ins Wan­ken gebracht. Als sie sich ab­wandte und ging, die Bestellung aus­zuführen, hatte sich ih­rer wieder dieser heroische Fata­lismus be­mächtigt, der dem Bedie­nungspersonal eigen ist. Gleich würden in der Küche, die einem Wohnwagen alle Ehre gemacht hätte, anregende Gespräche über den spinnerten Typ von Tisch Nr. Soundso einsetzen, der Schwarz- und Pfefferminztee in einem Atemzug be­stellt. Ich hoffte nur, dass ich den Tee nicht gemischt serviert bekomme.

„Du“, sagte Lilu, „hör’ mir mal zu. Weil ich will dir eine Geschichte erzählen, eine Ge­schichte aus Liluland will ich dir erzählen.“

„Liluland?“

„Ja, Liluland. Weil da komme ich her.“

„Du kommst aus Liluland?“

„Du, jetzt hör’ einfach zu und red’ nicht so laut, sonst blamier’ ich mich mit dir vor den anderen wieder. Und wenn einer etwas er­zählt, dann darf man ihn nie unterbrechen, nie. Merk’ dir das bitte! Dass ich dir das überhaupt sagen muss, Mensch!

Also im Liluland gibt es, wie sich das für ein anständiges Land so gehört, auch eine an­ständige Hauptstadt. Lilustadt heißt die. Dort gab es ein schönes altes Haus, in dem die Re­gierung ihre Ver­sammlungen abhielt, Empfänge veranstaltete, zu Pressekonferen­zen einlud, Kabinettssitzungen einberief und regierte. Es war ein Haus mit vielen Zimmern und schönen langen Gängen und geheimen Ni­schen, in denen man sich wunderbar verstecken konnte. Weißt du, ich ver­stecke mich so gerne, weil ich immer wieder einmal ganz al­lein sein möchte. Aber ich möchte auch, dass man mich sucht. Denn immer allein sein möchte ich nicht.

Dieses Haus bestand nur aus Türen und Fenstern. Ver­such’ gar nicht erst, das zu verste­hen. Ich seh’ dir schon an, dass du mir nicht glaubst. Um genau zu sein, bestand dieses Haus nur aus den Tür- und Fenstergriffen. Es waren sehr schöne Griffe aus purem Gold, schließ­lich muss sich eine anständige Regierung sowas schon leisten können.

Als ich eines Morgens mit dem Fahrrad unterwegs war, sah ich es nicht mehr. Das Haus war plötzlich weg. ‘Da hat jemand die Goldgriffe gestohlen’, dachte ich, und ich suchte kreuz und quer und hoch und tief und schräg und gerade und krumm und waagrecht und senkrecht. Ich hätte bestimmt in jedem Winkel gesucht, aber es war keiner mehr da. Alles war weg. Kannst du dir das vorstellen, dass alles weg ist? Ich habe sogar in meinen Hosenta­schen nachgesehen und sie nach außen gewendet. Weißt du, Dinge, die man verloren hat, findet man oft an den unmöglichsten Stellen wieder, sehr oft in den Hosentaschen.“

„Stimmt“, sagte ich. „Ich habe einmal mein Taschenmesser verloren und im Bett unter der Matratze wieder gefunden, als hätte ich mich mit ihm schlafen gelegt.“

„Dein Bett interessiert mich jetzt gar nicht interessiert es mich. In Liluland sind ja sonst auch alle unmöglichen Dinge mög­lich.“

Ich wollte schon sagen: Das glaub’ ich dir aufs Wort. Aber ich hielt mich zurück. Ach, es ist schon schwer, einer Geschichte zuzuhören, die man nicht selbst erzählt.

„Mich wunderte es, dass niemand außer mir merkte, dass das Haus, dass alle diese schönen Tür- und Fenstergriffe verschwunden waren. Ich fragte die Leute, was da passiert ist und wo das Haus der Re­gierung hin ist. ‘Regierung?’ sagten sie nur. ‘Nie gehört!’ Und jetzt habe ich Zweifel, ob es Liluland überhaupt je gegeben hat.“

Eine Pause entstand.

„So. Jetzt bin ich fertig. Jetzt kannst du etwas sagen.“ Er sah mich erwartungsvoll an.

„Du glaubst mir nicht“, sagte er.

„Oh doch! Natürlich glaube ich dir“, log ich.

„Nein, du glaubst mir nicht, weil du von Liluland und seinen Men­schen keine Ahnung hast.“

„Es war eine sehr schöne Geschichte“, log ich weiter, aber nur um von meiner ersten Lüge abzulenken.

Der Zug rauschte über die Gleise. Häuser und Bäume flitzten vorüber. Die Dinge, die et­was weiter entfernt waren, trieben eher be­häbig dahin – die Wolken, die Hügel, die Wiesen, die Felder, die Türme und wieder die Häuser. Ja, und Autos, viele Autos. Ich weiß gar nicht mehr, wie das Wetter war, ob es regnete oder ob die Sonne schien. Oder was dazwischen. Geschneit hat es jedenfalls nicht.

„Weißt du“, sagte Lilu, „irgendwann erzähle ich dir eine Ge­schichte vom Lügen. Aber jetzt weiß ich keine.“

Ich zuckte zusammen. Hatte er mich durchschaut? Hatte er bemerkt, dass ich ihn ange­flunkert hatte?

„Du, deine Geschichte war wunderschön.“ Jeder Balken im Umkreis von fünf Kilometern musste sich biegen, so log ich. In Wirklichkeit hielt ich die Geschichte für furchtbaren Quatsch.

„Außerdem“, fuhr Lilu fort, ohne von meinem Gerede Kenntnis zu nehmen, „mag ich ei­gentlich gar keinen Pfefferminztee, weil ich da immer ganz grün im Gesicht werde.“

Ich rief die Bedienung: „Zahlen!“ Und ich zahlte und ging. Pfef­ferminz- und Schwarztee – hier ein Kännchen, da ein Tässchen – blieben unberührt und lauwarm zurück. Wenn die Be­dienung jetzt zehn trottelige Gesichter geschnitten hätte, hätte ich trotzdem durch sie hin­durchgesehen. Lilu nahm wie­der auf meinem Ohr Platz. Festen Schrittes ging ich zurück in den Großraumwagen.

Veränderung

Wir fuhren gerade in den Stuttgarter Bahnhof ein. In Stuttgart ändert der IC die Fahrtrichtung. Deshalb werden hier in der ersten Klasse Großraumwagen sehr oft die Sitze gewendet. Dabei brach die übliche Hektik aus. Die einen beherrschten die Technik, sofern sie funktionierte. Die anderen taten sich schwer mit dem Tritt auf das seitlich angebrachte Pedal, um die Sitze zu entsichern. Das Wenden der Sitze verlangt ebenso eine gewisse Ge­schicklichkeit. Natürlich ist der Großraumwagen-Kenner in so einem Fall stets und sofort zur Stelle, wenn ein Neuling Hilfe braucht, um im Wendemanöver erfolg­reich bestehen zu kön­nen. Doch schon manchen Deus-ex-machina – „Kann ich helfen? Aber ich bitte Sie, das ist doch eine Kleinig­keit!“ – habe ich verblassen sehen vor dieser ebenso sinnigen wie unbere­chenbaren Vorrichtung, wenn sie sich halsstarrig zeigte wie ein korsischer Esel. Am Ende darf man nicht übersehen, den Sitz wieder sicher zu verankern. Sonst könnte er sich in Kur­ven selb­ständig machen.

Der Zug setzte sich wieder in Bewegung. Während des Aufenthaltes in Stuttgart hatten große Veränderungen stattgefunden. Viele Fahr­gäste hatten den Zug verlassen, aber es waren auch viele zugestie­gen. Plötzlich herrschte eine ganz andere Atmosphäre: Vor allem war es lauter geworden, geschwätziger und – arbeitsamer.

Stuttgart bildet immer einen Einschnitt für mich, wenn ich in nördlichere Regionen Deutschlands reise. Meistens beginnt für mich die Fahrt schon um Viertel vor Sechs. Da verbringe ich zunächst meine Zeit bis Stuttgart mit Schlafen, Dösen, Dämmern – wie der Tag das zu dieser Zeit je nach Jahreszeit mehr oder weniger inten­siv ja auch macht. Hin und wie­der blicke ich hinaus auf die vor­beirasenden Häuser, Autos und Bäume. Bei der Fahrt über die Bö­schungen und Hänge von Geislingen (Steige) wird es einem Schlafen­den etwas unan­genehm zumute, weil der Zug so langsam und in leich­ter Schräglage vorwärtskriecht, so dass man entweder in den Gang oder an die Wand gedrückt wird. Träufelt der Zug dann in Stutt­gart ein, ist die ruhige Phase der Reise vorüber – denn jetzt beginnt das Stühlerücken.

Von der Raucherzone begann es herüberzumüffeln, und irgendwo un­ter den quirlenden nikotin- und teer- und kondensatschwangeren Wolken wurde emsig gesprochen.

Ich ging aufs Klo. Die gibt es neuerdings in konsequenter WC-Aus­führung. Die Plumps­zeiten bei der Bahn mit dem inhumanen Hinweis, dass das Benutzen des WC auf Bahnhöfen nicht gestattet sei, gehören wohl bald der Vergangenheit an. (Mir kommt das Gruseln, da wir uns ja gerade aus technischen Gründen überlange im frankfurter Hauptbahnhof aufhalten.)

Ich schabte mir etwas Seifenstreu in die Hand, musste jedoch fest­stellen, dass das „W“ vom „WC“ vielleicht für die Spülung reichte, nicht jedoch auch fürs Händewaschen. So suchte ich die nächste er­reichbare WC-Zelle auf, an deren Tür allerdings ein papierenes Schildchen angebracht war: „WC defekt“. So trug ich in geballter Faust meine Seifenbrösel weiter, bis ich meine Hände endlich wa­schen konnte.

Schräg von mir in Fahrtrichtung bemächtigte sich ein Reisender seiner Zeitung. Die Beine übereinander geschlagen, klappte er die Brille auf, deren Gläser er kurz und dezent anblies, um ein wohl eher eingebildetes denn tatsächlich vorhandenes Stäubchen zu ent­fernen – sicher ein festes Ritual, bevor es an den Kampf mit den unförmigen Blättern der Zeitung gehen konnte.

Neben mir teilte sich ein Zeitgenosse einen Doppelsitzer mit sei­ner Mappe, der er eine Plastikbox entnahm, in der sich sein Früh­stück befand. Er schmauste und vertiefte sich ne­benher in die Stuttgarter Zeitung. Er aß Mehrkornbrot oder Vollkornbrot, jeden­falls etwas Ballaststoffreiches, vielleicht mit einer „vegetabilen Paste“ beschmiert, wie das Streichwurst­surrogat offiziell heißt. Es überraschte mich nicht zu sehen, wie mein Nachbar nach dem Ver­zehr eines (links- oder rechtsdrehenden) Bioghurtes so herzhaft in eine Karotte biss, dass ich Angst bekam, ihm zerbrächen alle Kiefer­knochen.

„…ah ja!…sie soll halt…weil ich hab’ ihm g’sagt…rufen Sie ihn an…ja…halben Preis…lassen S’ den alten Preis…ja…den Feschtpreis kömma ned ändern…ah naa! Halt amal! Lassn S’ die vier Mark drauf, Frau Heschke…das müssma mit ihm nochmal ausma­cha…“

Da spielte einer mit seinem drahtlosen Funktelefon – einfach die Antenne rausziehen, die dann in die Luft stochert, und schon kann man bequem telefonieren, sogar im Zug. Arbeiten rund um die Uhr – oder sich überall wichtig machen – alles nur des lieben Geldes wegen. Dabei stört mich sowas ungemein. Ich finde es penetrant. Mich regt eine solche Umtriebig­keit auf, die ja nur aufgrund des technischen Fortschrittes zelebriert werden kann und des­halb die menschliche Unzulänglichkeit offenlegt, die man aber zur Stärke hochstilisiert.

Immer wieder piepste dieser Apparat durch den Großraumwagen, da­mit es nur ja jeder mitbekam: Da fuhr einer, der unabkömmlich, also wichtig war.

Untermalt vom gleichmäßigen Rauschen des Zuges lüdelüte es wie­der. Es verging keine Sekunde, als auch schon die Antenne ausge­fahren war:

„Hallo!…Hallo!“

Doch die Verbindung riss ab. Ich dachte an die Zugreisen von frü­her, da die Züge noch nicht über die Gleise rauschten, sondern gleichmäßig und rhythmisch polterten und auf diese Weise eine ge­wisse Behaglichkeit vermittelten. Dass mich im schroffen Gegensatz dazu dieser Typ mit seinem subversiven Telefonterror und mit sei­ner omnipotenten Verbindung zu Pflicht und Umsatz beträchtlich nervte, gebe ich ungeniert zu. (Selbst wenn es ein Verleger ge­wesen sein sollte, stehe ich zu diesem Satz.)

Wer Büroarbeiten zu erledigen hat, soll nicht Zug fahren, sondern ins Büro gehen. Aber hier im Zug bei einer Geschwindigkeit von einhundertundsoviel Stundenkilometern so zu tun, als liefe einem die Zeit davon, ist schlicht…naja. Wenn man dieser Entwicklung nicht energisch gegensteuert, werden die IC-Großraumwagen bald zu Großraumbüros unserer Großkonzerne. Was die Bahn natürlich sofort in einen ihrer unsäglichen Werbeslogans um­setzen würde: Das Büro auf Schienen. Wer zusteigt, muss sich erst im Vorzimmer anmelden.

Ich musste erneut aufs Klo. Auf dem Rückweg sah ich dem Telefonfe­tischisten kurz aber bestimmt in die bebrillten Augen und plötz­lich freute ich mich diebisch darüber, dass ich seine Telefonge­spräche nicht nur – unfreiwillig zwar – mitgehört, sondern auch – unvollstän­dig, aber nur zu freiwillig -, mitsteno­grafiert hatte, um diese Aufzeichnungen bei passender Gelegenheit zu verwenden. Was hiermit geschehen ist.

Nun fing, ein paar Sitzreihen hinter mir, ein anderer an, eigen­artige Flüster- und Wisper­geräusche abzusondern, um ein Diktierge­rät damit zu belästigen. „Wsglschwsnmsuflgl“, so oder ähnlich klingende Schallwellen erreichten meine Ohren. Pflichterfüllung überall! Wenn es noch etwas Unmoralischeres gibt, dann soll man es mir sagen. Ach ja, diese Person viel­leicht, die mir einmal in der S-Bahn (die untersteht ja auch der Deutschen Bundesbahn) unterge­kommen ist und die sich in einen Walkman-Kopfhörer zurückgezogen hatte, um sich mit Opernmusik vollzuprallen. Leider mag ich Opern­musik auch unter diesen Umständen nicht, mag sie noch so flüsternd auf mich eindringen. Wenn ich trotzdem einmal Vergnügen an Opern entwickeln sollte, dann bestimmt nicht in der S-Bahn. Der Kern des verabscheu­ungswürdigen Treibens dieser fraglichen Person be­stand nun darin, dass sie die Arie, die über den Kopfhörer ihre Großhirnrinde erreichte, synchron auf einem großflächigen Blatt Note für Note, Wort für Wort mitlas. Dabei bewegten sich ihre Lip­pen wie es alte Frauen in den Kir­chen taten, als die Messe noch in lateinischer Sprache zelebriert werden musste. Der Sonn­tagspflicht war Genüge getan, wenn man auch mit den Gedanken in anderen Sphä­ren weilte. Und nun studiert man Opernpartituren eben in der S-Bahn.

Endlich!

Endlich! Endlich ertönte der Lautsprecher: „Meine Damen und Her­ren! In wenigen Mi­nuten erreichen wir Mannheim Hauptbahnhof.“

Allmählich musste ich mich mit dem Gedanken vertraut machen, dass ich dem Taxifahrer keinen schönen Straßennamen angeben konnte – z.B. Schillerstraße oder Goethestraße in Eh­rung meiner kollegialen Vorfahren -, sondern „F2,6“ sagen musste. Aber der Taxifahrer trug es gelassen und brachte mich ans Ziel – schließlich fast eine Stunde verspätet.

Ich platzte verstört in die Sitzung und stieß anstelle einer höf­lichen Begrüßung hervor: „Fragt mich nicht!“ Nach einer halben Stunde begaben wir uns zum Mittagessen, um an­schließend bis vier Uhr weiterzuarbeiten, wobei uns die Themen unserer Arbeit auch am Mittagstisch begleiteten.

Die Rückfahrt nach München verlief glücklicherweise ruhig. Ich studierte noch einmal die Sitzungsunterlagen. Jaja ich weiß, das ist auch Arbeit. Aber bei mir ist das etwas anderes. Denkt mal darüber nach.

Irgendwann schlief ich ein. Ich war schon zu lange auf den Bei­nen, um dem Schlaf, der einem im Zug besonders heftig zusetzt, wehren zu können. Kurz vor Augsburg wachte ich auf. Lilu turnte im Netz an der Rückenlehne des Sitzes vor mir herum und sang wieder spontan komponierte und gedichtete Lieder:

Ein Intercity fährt durchs Gras

und bückt sich übern Klee zum Fraß.

Da denkt sich plötz der Intercity:

„Was mach’ ich denn im grünen Gras hie?“

Und hurtig springt er – ach wie weise! –

zurück auf seine Eisengleise.

Und die Moral von der Geschicht:

Ein Zug macht „Muh!“ natürlich nicht.

Was sagt die Kuh zu diesem Fall?

„Fatal! Fatal! Fatal! Fatal!“

***

Ich esse besser

ohne Messer

und ohne Löffel.

Und statt mit Gabel

nehm’ ich mit Fingern,

was sie mir bringern.

Da darf man aber nach dem Essen

Hände waschen nicht vergessen.

„So ein Unsinn!“ rief ich unbeherrscht los, so dass sich wieder alle Köpfe im gut besetzten Großraumwagen zu mir drehten. Ein Passagier erhob sich sogar spontan von seinem Platz. Ich grin­ste nur unbeholfen und nickte wie blöde mit dem Kopf. Und Lilu lachte.

Ich kam müde und schlapp nach Hause.

„Jetzt ist Krieg im Irak“, sagte Toni. „Was zu erwarten war“, sagte ich und ging nach oben, um nach den Kindern zu sehen. Sie schliefen fest. Ein Schauder der Freude durchrie­selte mich, als ich sie in ihre Betten gewühlt liegen sah und ihren Atem hörte. Ich blieb so lange an der Tür, bis ich sah, wie sich ihre Bäuch­lein hoben und senkten. Auch Lilu, den ich auf der offenen Hand­fläche trug, lächelte zärtlich.

„Ich trage nur noch Lilu hoch, und dann möchte ich noch einen Happen essen“, sagte ich zu Toni.

„Es war schön heute“, sagte Lilu, bevor er in sein Haus ging. „Ich werde auch noch eine Klei­nigkeit essen und dann schlafen, schlafen, schlafen.“

„Hast du überhaupt etwas Essbares im Haus?“

„Ich hab’ immer alles.“

„Hab’ ich mir fast gedacht. Gute Nacht, Lilu!“

„Gute Nacht, Bernhard!“

Als ich an der Türe noch einmal zurückwinken wollte, war Lilu nicht mehr zu sehen. Nichts mehr war zu sehen. Wieder war das Re­gal leer.

Eine weitere Lilu-Geschichte folgt nächsten Mittwoch. Titel: Schloss

Autor: Emsemsem

Ob gereimt oder nicht: Ich mach's und mag's kurz auf Emsemsem.net.

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