Sie vs. Du oder Du vs. Sie

In zahlreichen Shows, Talk-Shows, Quiz-Sendungen und vieles andere im Fernsehen herrscht mittlerweile die Anrede des Gegenüber als „Du“ vor. Einige wenige behaupten sich immer noch und erfolgreich, dass sie gesiezt werden. Günter Jauch zum Beispiel wird nur von einigen wenigen geduzt. Barbara Schöneberger erklärt sich dies so, dass sie Herrn Jauch als „Instanz“ sieht. Selbst wenn alle anderen sich duzen, wird Günter Jauch gesiezt und redet die anderen auch mit „Sie“ an. Hierbei ergeben sich viele kuriose Szenen.

Im normalen Leben ist es auch nicht üblich, dass man sich ab dem ersten Treffen duzt. Warum sollte das im Fernsehen anders sein? Auch hier sehen sich viele zum ersten Mal. Jedoch soll, wie Kai Pflaume einmal in seiner Sendung „Wer weiß denn sowas“ erklärte, eine „Wohnzimmeratmosphäre“ erzeugt werden. Wenn man sich dagegen die anderen Quiz-Shows aus dem ARD-Vorabend-Programm zu Gemüte führt, kommt es zu kuriosen Situationen. Bei „Gefragt – Gejagt“ duzt der Moderator Alexander Bommes seine Kandidaten, die er vorher noch nie gesehen hat. Die Jäger aber, die er in jeder Sendung sieht, werden gesiezt. Hier soll das Gefühl erzeugt werden, dass die Jäger Respektpersonen sind und Alexander Bommes sich mit den Kandidaten verbündet und ihnen zur Seite steht, obwohl er „nur“ moderiert. Die Fragen müssen sie ja selbst beantworten.

Bei „Wer wird Millionär?“ auf RTL dagegen wird das „Sie“ von Günter Jauch aufrecht erhalten und erzeugt daher gleich eine andere Stimmung, die nicht so gekünstelt wirkt wie die anderen beiden, da dies eher der Kultur entspricht, in der wir leben.

Also: Was ist so schlimm daran, andere zu siezen, und warum wird das im Fernsehen immer anders transportiert. Es soll jung und modern klingen, wenn man sich duzt. Das „Sie“ hingegen zeigt auch Respekt gegenüber dem Gesprächspartner. Das sieht man auch daran, wenn Barbara Schöneberger von Günter Jauch als „Instanz“ spricht.

Selbst im Internet, in den sozialen Medien, ist das „Du“ die vorherrschende Anrede. Jedoch: Wie viel Respekt bleibt hier noch übrig? Wie verändert sich dadurch die Gesellschaft, ihre Sprache und ihre Kultur? Letztlich kann ich das hier nicht beurteilen. Jedoch möchte ich hier einen Denkanstoß geben, um darüber zu sinnieren. Ist ein „Sie“ nicht als eine größere Achtung für das Gegenüber zu sehen? Oder können wir bald, wie in England, ähnliches sagen als: You can say you to me. Hierbei entscheiden kleine Details in der Sprache, ob man mit der Person vertrauter redet. Diese kleinen Unterschiede scheinen jedoch im Fernsehen nicht vorhanden zu sein. Man tut hier so, als wäre man sich vertraut, ohne dass man es ist. Dies erzeugt dann aber eine gekünstelte Atmosphäre.

Warum haben wir also nicht einfach den Mut, einige Leute zu siezen. Das „Du“ in der deutschen Sprache ist eine vertraute Anrede, während das „Sie“ zwar eine Ferne schafft, jedoch aber eine Achtung zwischen den Personen zeigt. Dieses inflationäre „Du“ macht aus einer vertrauten Anrede eine allgemeine Anrede, aus der sich letztlich über kurz oder lang eine andere Form der vertrauten Anrede oder Sprache entwickeln muss und sollte, wenn sich der Trend nicht mehr umkehren lässt.

6 Kommentare zu „Sie vs. Du oder Du vs. Sie“

  1. Man wird inzwischen von Aldi, Lidl und etlichen anderen als Kunde geduzt. Soll ich nun zurückduzen? Hallo Aldi, altes Haus. Oder muss ich das sogar, um „dazuzugehören” zu der „Community”, deren „Aufgabe” am Ende doch keine andere ist als: zu kaufen?

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      1. In Wien wird es auch in den Lokalen immer üblicher, dass man von den Angestellten geduzt wird. Ich kann das überhaupt nicht leiden, und sieze immer alle. Meistens reagieren sie dann schon auch mit einem „Sie“. Dann gibt es ja auch noch das „ihr“, das ich auch nicht lieber mag … In den Geschäften wird man hier nicht geduzt, im Gegenteil, die Verkäufer*innen reden oft in der 3. Person.“Hat die Dame noch einen Wunsch“.
        Eigentlich ist es recht lustig zwischen „Du“ und „gnä ´Frau“ 😉 🙂

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        1. Herzlich willkommen auf meinem Blog. Danke für den Einblick in die Wiener Gewohnheiten. Es ist interessant zu sehen, dass es in Österreich auch nicht viel anders ist.
          Liebe Grüße Monika

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