Erlebnis mit der Schmerzskala

Da liegen drei Wörter vor einem. Ohne jedem Zusammenhang und damit ohne Sinn. Plötzlich macht es Klick im Hirn, und Zusammenhang sowie Sinn sind auf einmal völlig klar. Es geht um Christianes Schreibeinladung mit den Wörtern Sonnenhut, haltlos und massieren, die ich wie folgt verbinde:

„Sie können sich ja kaum bewegen“, sagt Frau Paukert und mustert mich mit prüfendem Blick.

„Ich habe mir den unteren Rücken verzerrt.“

„Wie ist denn das passiert?“

„Ich bin meinem Sonnenhut hinterhergehechtet.“

„Wie bitte?“

„Ich habe gestern beim Spazierengehen meinen Freund getroffen, auch ein Rentner wie ich. Wir sind ins Plaudern gekommen über die politische Lage. Was zwei Freunde halt so sagen, wenn sie sich zufällig begegnen. Ich sagte, dass seine Kritik an unserem Ministerpräsidenten überzogen und haltlos ist. Darauf er: Ich geb dir gleich ein haltlos, und stupst meinen Sonnenhut nach hinten. Er wollte ihn mir nicht vom Kopf stoßen. Es war scherzhaft gemeint.“

„Mit schmerzhaften Folgen für Sie. Dabei sollten Sie wissen, dass man in Ihrem Alter Sonnenhüten nicht mehr hinterherhechtet. Man lässt sie fallen.”

„Sie haben gut reden. Der Hut war nagelneu.“

„Im Unterschied zu Ihnen.“

„Es war ja nur so eine reflexartige Bewegung von mir, die zur unfreiwilligen Pirouette ausartete.“

„Das hätte ich gerne gesehen.“

„Ich auch.“

„Und jetzt drehen Sie sich bitte auf den Bauch, damit ich Sie massieren und wieder entzerren kann.“

Frau Paukert hat mir früher einmal gesagt, dass es eine Schmerzskala gibt, die bis zehn geht. Aber nach meinen Erfahrungen mit ihren physiotherapeutischen Kräften kann ich das nicht glauben. Sie muss wie die Richterskala für Erdbeben nach oben offen sein.

Autor: Emsemsem

Ob gereimt oder nicht: Ich mach's und mag's kurz auf Emsemsem.net.

6 Kommentare zu „Erlebnis mit der Schmerzskala“

  1. Pirouetten tanzen im hohen Alter geht gar nicht. Aber wem sagt man das! Einer unserer Nachbarn ist vor ein paar Jahren mit 80 beim Kirschen pflücken von der Leiter gefallen. Meine Mutter mit 85 vom Stuhl gefallen, Oberschenkelhalsbruch, weil sie etwas vom Kleiderschrank herunter holen wollte. Da gibt es so viele Geschichten.

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    1. Meine Mama, vor über zehn Jahren im Alter von 95 gestorben, hat mit 70 geglaubt, auf die Badewanne steigen zu müssen. Prompt stürzt sie und bricht sich das Handgelenk. Gottlob nur das Handgelenk.

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