Freundschaft: Ein großes Wort

Viele Menschen sagen, dass sie Freunde haben, aber sind sie sich darüber bewusst, was das bedeutet?

Viele Menschen sagen, dass sie Freunde haben, aber sind sie sich darüber bewusst, was das bedeutet? George Washington sagte einmal: „Wahre Freundschaft ist eine langsam wachsende Pflanze.“ (Quelle: Aphorismen.de). Dabei ist die Definition dieses unscheinbaren Wortes nicht so einfach, wie es aussieht. Ist es wirklich immer wahre Freundschaft, wenn man sagt, dass man einen großen Freundeskreis hat?

Selbst im Duden wird Freundschaft differenziert betrachtet. Er hat hier verschiedene Bedeutungen: Erstens „auf gegenseitiger Zuneigung beruhendes Verhältnis von Menschen zueinander“. Hierbei unterscheidet er noch zwischen dem „Gruß der Freien Deutschen Jugend“. Doch was bedeutet die gegenseitige Zuneigung? Wie stark ist die Zuneigung? Schon in der Antike haben sich zum Beispiel Aristoteles und Cicero mit diesem Thema auseinander gesetzt. Auch Staaten setzten bzw. setzen das Wort Freundschaft ein: „Im übertragenen Sinne bezeichnet Freundschaft ein gutes und oft vertraglich geregeltes politisches Verhältnis zwischen Völkern oder Nationen (zum Beispiel „deutsch-französische Freundschaft“). Das Gegenteil von Freundschaft ist Feindschaft.“ (Wikipedia). Trotz der Freiheiten, wie intensiv eine Freundschaft ausfällt gibt es laut Spektrum gewisse Charakteristika, die Freundschaft auszeichnen:

  • „ist eine dyadische, persönliche, informelle Sozialbeziehung, deren Existenz auf Gegenseitigkeit beruht,
  • besitzt für jede Freundin und jeden Freund einen Wert, der unterschiedlich starkes Gewicht haben und aus verschiedenen inhaltlichen Elementen zusammengesetzt sein kann,
  • beruht auf Freiwilligkeit bezüglich Wahl, Gestaltung und Fortbestand der Beziehung,
  • beinhaltet einen Vergangenheits- und einen Zukunftsaspekt;
  • hat als unabdingbaren Bestandteil einen positiven Charakter,
  • keine offene Sexualität im Sinne von Geschlechtsverkehr..“

In Bezug auf die Freiwilligkeit möchte ich erwähnen, dass zum Beispiel bei Schulfreundschaften diese auch mit einem bestimmten Zweck verbunden sind. Das lässt unter diesen Umständen die Freiwilligkeit etwas vermissen, da die Klassen willkürlich ausgewählt sind. Außerdem ist bei vielen Schulfreundschaften der Zukunftsaspekt nur eingeschränkt, da viele Schulfreundschaften sich nach der Schule auseinander leben. Daher gibt es meiner Meinung auch zeitlich bedingte Freundschaften, die aber nicht dem Charakter einer wahren Freundschaft entsprechen, die das ganze Leben andauern.

Gut zu wissen: Bis ins 17. Jahrhundert wurden die Begriffe Freundschaft und Verwandtschaft sogar synonym gebraucht. Diese ursprüngliche Bedeutung hat sich bis in die heutige Zeit in einigen Dialekten erhalten. Ähnliches lässt sich für den Begriff Blutsfreundschaft feststellen, der ursprünglich ebenfalls Verwandtschaft bedeutet.

Quelle: Karrierebibel

Forscher der Aalto Universität und der Oxford Universität haben herausgefunden, dass der Freundeskreis bis zum 25. Lebensjahr im Durchschnitt zunimmt. Danach aber abnimmt. Das hängt vermutlich damit zusammen, dass die Qualität der Freundschaften steigt. Ich selbst vermute noch einen anderen Grund dahinter. Mit 25 haben in der heutigen Zeit viele ihr Studium bezungsweise ihre Ausbildung und ersten Berufsjahre abgeschlossen. Da sich in Schule und Studium durch gemeinsame Interessen mehr Freundschaften finden und schneller abschließen lassen, ist es nicht verwunderlich, dass mit dem Eintritt in das Berufsleben andere Aspekte in den Vordergrund treten und die Zahl der Freundschaften abnimmt. Laut dem Soziologen Gerald Mollenhorst verlieren wir aber alle 7 Jahre durchschnittlich die Hälfte aller unserer engsten Kontakte. In einer Langzeitstudie forschte er die Bindungen von 18- bis 65-Jährigen. Die Anzahl der engen Freunde solle zwar stabil bleiben, die Beziehungen selbst aber wechselten.

Es wurde dabei auch von Jeffrey A. Hall, einem Genetiker, untersucht, ab wann ein Bekannter ein Freund wird. Nach 50 Stunden werden sie Freunde, nach 90 gute Freunde und nach 200 beste Freunde.

Meiner Meinung nach wird damit das Thema Freundschaft zu sehr wissenschaftlich betrachtet. Ich selbst meine von mir zu sagen, dass ich nicht viele Freunde habe. Dennoch weiß ich auch, wie zerbrechlich eine Freundschaft sein kann. Eine Freundschaft ist eine freiwillige Entscheidung von zwei Personen. Diese kann zu einem bestimmten Zweck abgeschlossen worden sein oder auf einer stabilen Grundlagen basieren, die vielleicht ein ganzes Leben lang dauern.

Ein Gedanke zu „Freundschaft: Ein großes Wort“

  1. Ich habe mich mit meinen Klassenkameraden gut, mit einigen sogar sehr gut verstanden. Aber dem Wort „Freund” standen wir mit großer Ehrfurcht gegenüber. Es zu verwenden, konnte als zu aufdringlich verstanden werden. Ich war nur mit einem Mitschüler befreundet. Eine Freundschaft allerdings, die, wie mir heute klar ist, nicht vorbehaltlos war, so dass sie mir aufgekündigt worden ist. Eine zweite Freundschaft verlief leider ähnlich. Aber eine dritte Freundschaft hält und hält und hält. Gottlob. Es ist die Freundschaft mit meiner Frau.

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